Kunstvereins-Bericht für 1836 (1837) / t_599

Franz Bruillot, Inspektor des Kupferstich-Cabinets etc.

Franz Brulliot, geb. den 16. Febr. 1780 in Düsseldorf, Sohn des Joseph Brulliot, Pro­fessor der Akademie und Gallerie-Inspektor daselbst, widmete sich früher der bil­denden Kunst in seiner Vaterstadt, unter der Leitung des Directors Peter v. Langer.

1805 flüchtete er mit der Gallerie nach Holstein, und kam 1806 mit seinem Vater und der Gallerie nach München, wo er bald einen Wirkungskreis bei der königli­chen Kupferstichsammlung fand; 1808 wurde er dem Inspector Schmidt als Gehülfe beigegeben, weßhalb er seinen Fleiß nun weniger auf Ausübung der Kunst, als auf das Studium ihrer Geschichte und besonders auf das der Kupferstichkunde verwen­dete, zu welchem Zwecke er auch mehrere Reisen in Deutschland, Holland, Frank­reich und Italien unternahm.

Im Jahre 1807 erschien die erste Ausgabe seines Dictionnaire Monogrammes, da­mals das reichhaltigste Werk über diesen Gegenstand. 1822 erhielt er die Stelle ei­nes Conservators der königl. Kupferstich-Sammlung, wo, durch Ihn vieles verbes­sert und nutzbar gemacht wurde. Bald jedoch dachte er an eine gänzliche Umarbei­tung seines Werkes, und war daran fast ununterbrochen bis zum Jahre 1832 be­schäftigt, wo es in drei Quartbänden weit vollständiger und zweckmäßiger einge­richtet erschien. Es enthält 10,000 Nummern, und umfaßt die Künstler aller Natio­nen und Zeiten. Diese große Arbeit erwarb sich die allgemeinste Anerkennung als die vorzüglichste ihres Fachs.

Nicht minder reiche Materialien hatte Brulliot für ein Supplement zu Bartels peintre graveur zusammen gebracht, und die Ausarbeitung derselben war so weit gedie­hen, daß der Druck in 10 Bänden mit Anfang des Jahres 1837 beginnen sollte. Möchte sein Sohn und Zögling in der Kupferstichkunde, bereits seit mehreren Jah­ren sein amtlicher Gehülfe, dieß Werk beendigen und den Ruhm des väterlichen Namens auf sich vererben! Schon früher hatte Brulliot an seinem Neffen, H. Wil­helm Schorn, jetzigen Direktor des kön. Kupferstich-Cabinets in Berlin, einen Schü­ler erzogen, der ihn durch schnelles und ehrenvolles Fortschreiten erfreute.

Brulliot war ein Mann von durchdringendem Verstand und feinem Gefühl, ein kräfti­ger, offener Charakter. Rasch und entschieden im Reden und Thun, war er an­spruchlos, von unzerstörbar heiterer Laune und voll schlagenden Witzes, ein geist­reicher und liebenswürdiger Gesellschafter. Seinen Freunden war er ein treuer und zuverläßiger Freund, und gewiß wird er von allen, die ihn kannten, innig betrauert. Er starb den 13. Nov. 1836 als ein Opfer der Cholera. Sein edler und freimüthiger Charakter und die große Sorgfalt und Thätigkeit, womit er die ihm untergebene Anstalt, nachdem er sie vortrefflich eingerichtet, auf alle Weise förderte, hatte ihm die allgemeinste Achtung erworben. Als Kenner der Kunst stand er durch sein rich­tiges und unbefangenes Urtheil in großem Ansehen, und im Fache der Kupferstich­kunde hatte ihm sein großes Werk einen berühmten Namen gemacht.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1836. München, 1837.


ML-290* (Brulliot)