Kunstvereins-Bericht für 1830 (1831) / t_972

Biographische Nachrichten
über
Joseph Klotz,
Königlicher Hoftheater-Maler.

Joseph Klotz, geboren in München den 25. April 1785, Sohn des königl. Hofthea­termalers Mathias Klotz, widmete sich früh unter Leitung seines Vaters der Kunst, und vorzugsweise dem Fache der Landschafts-Decorations-Malerei. Im 14. Jahre seines Alters begleitete er den Vater auf einer Reise nach, Berlin, dort – beim An­schauen ausgezeichneter Werke der Decorations-Malerei – befestigte sich sein Ent­schluß, ihr sein ganzes Studium zu widmen, nur immer mehr, so daß er bei seiner Rückkehr neben dem schon kränklich werdenden Vater dem königlichen Hofthea­ter thätig seiner späteren vollkommenen Ausbildung entgegenging. Diese erhielt er während eines Aufenthalts zu Paris, wohin er im Jahre 1813 reißte und an der Decorations-Malerei für das große kaiserlichen Opernhaus Antheil nahm. Nach zweijähriger Abwesenheit kehrte er zurück und nun geruhten des höchstseligen Königs Majestät ihn an die Stelle des, seiner fortdauernden Kränklichkeit wegen in Ruhestand versetzten Vaters, als Hoftheater-Maler anzustellen, von welcher Zeit an er ununterbrochen die landschaftlichen Theile der Dekorationen des neuen grossen Hoftheaters fertigte. Darunter zeichneten sich jene zu dem Freischütz, Wilhelm Teil, zur Preciosa etc. besonders aus. Im damals noch bestandenen königl. Isarthor-Thea­ter stellte er ein sehr gelungenes großes Transperant-Gemälde, den Brand von Moskau vorstellend, auf, und bestätigte dadurch aufs Neue den Ruf eines ausge­zeichneten Künstlers in diesem Fach. So viel seine sehr angestrengten Berufsarbei­ten es gestatteten, beschäftigte er sich mit der Landschaftmalerei in Oel, und meh­rere Privatsammlungen besitzen Proben seines schönen Talents. Die erste Veranlas­sung, welche der Grund zu seinem späteren Leiden legte, war die Verlegung seines Ateliers in die alte Reitschule, nachdem an dem unglücklichen Abend vom 14. Janu­ar 1822 das große Hoftheater in Asche gelegt worden war. Die in jenem Atelier ge­herrschte Kälte und Feuchtigkeit, verbunden mit sehr angestrengter Arbeit für das bald wieder erstandene Hoftheater, gab den ersten Stoff zu jahrelangen rheumati­schen Uebeln, bis er einige Zeit spater das Unglück hatte, auf der Bühne von einem herabstürzenden Decorationsstück getroffen zu werden. Von dieser Zeit an gesell­ten sich die heftigsten Kopfschmerzen zu jenen rheumatischen, und sein Zustand wurde allmählig so bedenklich, daß er 2 Jahre lang vor seinem Ende das Zimmer nicht mehr verlassen konnte, ohne vom gefährlichsten Schwindel ergriffen zu wer­den. Ein Schlagfluß machte seinem leidenvollen Leben am 15. Mai 1830 ein Ende, und bewahrte ihn vor dem fürchterlichen Schicksal des Wahnsinns, dem er sonst kaum entgangen wäre, wie sich durch die Secirung erwies, bei welcher, als Folge je­nes Unfalls, ein durch die Verletzung entstandenes Gewächs im Kopf sich vorfand. Der Verewigte war seit der Entstehung des Kunstvereins, Mitglied dieser Gesell­schaft. Sein gerader biederer Charakter hatte ihn allgemein beliebt gemacht.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1830. München, 1831.


17-12-57 (Klotz)