Kunstvereins-Bericht für 1830 (1831) / t_1131

Beilage XII.

Biographische Nachrichten
über
Julius Oldach.

Julius Oldach, geboren zu Hamburg, erhielt seinen ersten Unterricht in der Histori­en-Malerei von dem Professor Suhr daselbst, und ging dann nach Dresden, wo er 2 Jahre lang nach den Meisterbildern der dortigen königl. Gallerie studirte. Nach ei­ner hierauf nach Hamburg gemachten Reise, kam er nach München, und widmete sich mit Eifer und Liebe der Kunst, unterlag aber hier, kaum von einer zweiten Rei­se nach Hamburg zurück, wahrscheinlich durch den Einfluß des strengen Winters vom Jahre 1830 veranlaßt, einer Lungenentzündung, am 19. Februar 1830, etwa 26 Jahre alt, als er sich anschickte, eine Reise nach Italien zu machen, um dort in seiner Kunst sich immer mehr auszubilden.

Sorgfältig erzogen, verband er Fleiß mit Talent, Gründlichkeit der Kenntnisse mit Liebenswürdigkeit im Umgang. Neben dem ernsteren Studium der Historienmale­rei, das er mit Eifer trieb, malte er Portraits mit ausgezeichnetem Erfolg und eine Composition aus den Nibelungen erwarb ihm die besondere Zufriedenheit des Hrn. Direktors von Cornelius, der ihn überhaupt hochschätzte.

Ein organischer Fehler verbreitete über sein ganzes Wesen eine Schwermuth, die sich in folgenden Strophen ausspricht, welche er unlängst vor seinem Tod dichtete, und die wir seinen Freunden und Bekannten nicht vorenthalten wollen:

Dich werden alle Menschenfreuden fliehen,
Dich spricht kein Wesen freundlich an!
Du gehst die wüste Felsenbahn
Wo Klippen droh’n, wo keine Blumen blühen,
Und immer matt der Sonne Strahlen glühen!

Die Liebe, die in allen Wesen klingt,
Des Erdenglückes schönste Freuden – Die Götter selbst dem Menschen neiden –
Durch die er sich zum höchsten Aether schwingt
Vermeßen mit dem Himmel ringt:
Die Liebe ist auf ewig dir versagt.

Ihr Thor ist hinter dir geschlossen,
Auf der Verzweiflung wilden Rossen
Wirst du durch’s Leben hingejagt.
Wo keine Freude dir zu folgen wagt,
Da sinkst du in die ew’ge Nacht zurück
Siehst tausend Elend auf dich zielen
In Schmach dein Daseyn nur zu fühlen.
Und erst im ausgelöschten Todesblick
Begrüßt voll Mitleid dich – das erste Glück.

Bericht über den Bestand und das Wirken des Kunst-Vereins in München, während des Jahres 1830. München, 1831.


18-01-35 (Oldach)