Kunstchronik (1913) / t_28

NEKROLOGE

Kürzlich starb in München der Maler Julius Adam, der als »Katzenadam« eine fatale Popularität genossen hat. Adam war am 18. Mai 1852 geboren. Sein Vater war der Lithograph Julius Adam, der die Schlachtenzeichnungen des alten Albrecht Adam – seines Vaters – auf den Stein gebracht hat. Julius Adam – der zweite dieses Na­mens, der Enkel des trefflichen Albrecht – empfing seine Ausbildung bei Wilhelm Diez, also in einer Schule, die neben den Genretraditionen ausgezeichnete koloris­tische Überlieferungen verwaltete. Adam kam auch mit dem gleichzeitigen Leiblkreis in Berührung. Aus jenen Jahren datieren seine besten Arbeiten, die über den vielen, allzuvielen Katzen unbillig vergessen worden sind und die es wert wä­ren, kollektiv gezeigt zu werden, damit in unserem Bewußtsein nicht ein allzuklägli­ches Bild dieses Malers fortlebe. Zweifellos war Adams ursprüngliche, durch eine lange und breite Familientradition gestützte Begabung nicht belanglos wie die ewi­gen, unausstehlichen, jeder künstlerischen Wesenheit baren Katzen seiner Spätzeit, aus denen er namentlich seit seinen Mappenwerken aus den Jahren 1892 und 1894 eine heillos gefällige Spezialität gemacht hat. Der Fall Adam ist indes eine kleine Tragödie. Er beweist – wie der Fall Grützner – die Abhängigkeit der Talente von der Gesellschaft. Hätte das Publikum von Adam nicht immer Katzen geradezu erpreßt, so hätte seine Entwicklung wahrscheinlich eine erfreulichere Richtung genommen. Wir wollen jedenfalls, so entschieden wir den süßlich gepinselten Naturalismus der Katzen Adams aus dem Buch der Kunstgeschichte ausstreichen, nicht dem Men­schen und Maler Adam das aufbürden, was auf die Rechnung einer unkünstleri­schen Gesellschaft kommt. W. H.

W. H.: Kunstchronik Nr. 5. 24. Oktober 1913.


27-01-25 (Adam)