Kunst-Blatt (23.7.1833) / t_1207

Paul Rummel, Maler,

Sohn eines churfürstl. Leibgarde-Hartschier-Lieutenants, geb. am 5. Juni 1774 in München, würde ohne den frühen Tod seines Vaters und die Bedrängnisse seiner Mutter, die von einer unzulänglichen Wittwenpension leben sollte, nach vorgefaß­tem Plane die militärische Laufbahn betreten haben. Statt der Aussicht in’s Cadet­tenkorps aufgenommen zu werden, womit sich der Knabe sonst geschmeichelt hat­te, stellte sich ihm nun die Nothwendigkeit dar, in Verbindung mit seinem Bruder für den Unterhalt der Mutter möglichst zu sorgen. Schon mehrmals hat die Verferti­gung von Heiligenbildern den ersten Anstoß zu Kunstversuchen gegeben; dieß war auch bei dem dreizehnjährigen Rummel der Fall. Der Druck der Noth und der Ruf der Natur vereinigten sich wechselsweise um die künftige Richtung seines Lebens zu bezeichnen. Laut der vorliegenden Nachricht könnte man beinahe auf die Ver­muthung gerathen, er sey vom Hause aus ein Autodidakt gewesen. Seine ur­sprüngliche Entwickelung könnte sonach ein besonderes Interesse erregen, wofern sie sich wirklich unter diesem Gesichtspunkt auffassen läßt. Eigentlichen Unterricht scheint er erst in München von dem Maler Weiß empfangen zu haben, der sich sei­ner überhaupt menschenfreundlich annahm. Mit dem Besuche der Akademie ver­band er fleißige Uebungen im Kopiren, und zwar nach Bildern der churfürstlichen Gallerieen. Von der Oelmalerei ging er später zur Miniaturmalerei über und erwarb sich in beiden Fächern Beifall. Augenschwäche führte ihn später wieder auf die Oel­malerei zurück. Seine Kopien nach den Bildnissen Sr. Majestät des Königs wurden wegen ihrer Aehnlichkeit von den Provinzialstädten geschätzt und gesucht. Nach­dem er längere Zeit gekränkelt hatte, starb er am 28. Sept. 1832 am Schlagflusse.

Kunst-Blatt No. 59. Dienstag, 23. Juli 1833.


23-03-10 (Rummel)