Künstler-Lexicon (1837) / t_753

Etzdorf, Johann Christian Michael, Landschaftsmaler von Pösneck bei Neustadt an der Orla in Sachsen, wo er 1801 geboren wurde.

Er erhielt auf der Akademie der bildenden Künste in München seine Bildung zum Künstler, und er behauptet als solcher bereits einen hohen Rang. Sein Pinsel schuf mehrere treffliche Darstellungen aus der nordischen Natur, die in Deutschland und in Schweden mit allgemeinem Beifalle aufgenommen wurden. Im Jahre 1826 sah König Ludwig von Bayern Etzdorf’s Ansicht der Festung Wardoehus, und sie gefiel diesem Mecänaten so wohl, dass er dem Künstler den Auftrag ertheilte, dasselbe Bild in grösserem Maasstabe auszuführen, weil es Se. Majestät ebenfalls besitzen wollte.

Besonders Aufsehen erregte in neuester Zeit die Darstellung eines Eisenhammers in Schweden, ein 5 Schuh hohes und 6 Schuh breites Bild. Diese Landschaft impo­nirt in ihrer einfachen Grosse. Rechts sieht man eine kleine Bretterhütte, deren ver­borgene Räder ein Waldbach treibt, und zur Linken schmückt eine Gruppe Tannen den Hügel im Mittelgrund. Den Himmel decken fliegende Wolken, zwischen denen des Himmels Blau erscheint. Bei der Betrachtung dieses Gemäldes tritt uns Ever­dingen vor den Blick und in Etzdorf erkennen wir einen treuen und geistvollen Nachfolger, dessen tiefes Studium der nordischen Natur sich mit Meisterschaft zeigt. Etzdorf ist im vollkommenen Besitz der technischen Mittel, und bewunderns­würdig weiss er die verwitterten Steine darzustellen. Eine solche Verwitterung er­scheint in dem bezeichneten grossen Bilde in fast reliefartig aufgetragenen Farbet­heilen.

Etzdorf’s Bilder zeichnen sich durch ihre schönen Linien und Formen aus. Seine Fer­nen sind reizend, und in der ganzen Darstellung herrscht grosse Wahrheit.

Er ist Mitglied der Akademie zu Stockholm.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Künstler-Lexicon. München, 1837.


28-12-20* (Etzdorf)