Kemptner Zeitung (12.1.1849) / t_1951

Heute fand die Beerdigung des vorgestern plötzlich gestorbenen Erfinders der Stenographie, des allbeliebten u. verehrten Greises Gabelsberger statt. Wohl an 600 Personen aller Stände und Konfessionen schloßen sich dem Trauerzuge an, um den wackern Meister die letzte Ehre zu bezeugen, kehrten aber empört über das Benehmen des die Grabrede haltenden Pfaffen wieder heim. Dieser Geistliche, ich werde Ihnen wohl später den Namen mittheilen können, sprach in seiner Rede weder von dem durch seinen langjährigen Staatsdienst als Ministerialsekretär um Bayern, noch durch seine Erfindung um ganz Deutschland, ja um ganz Europa hochverdienten Manne, sondern meinte nur, man dürfe sich wohl der Hoffnung hingeben, daß der Verblichene Gnade vor Gott finden und, trotz dem, daß er seines plötzlichen Todes wegen ohne geistlichen Beistand von hier geschieden sei, in den Himmel gelangen werde. »Mehr,« so schloß er seine Rede, »weiß ich von ihm nicht zu sagen.« Ja, wie vorhin gesagt, das Korps der Finsterniß fühlt sich schon wieder stark. (U. S.)

Kemptner Zeitung Nro. 12. Freitag, 12. Januar 1849.


↑ 07-10-54 (Gabelsberger)