Katholisches Sonntagsblatt (6.11.1853) / t_1626

Während in den drei fränkischen Landesprovinzen Bayerns die vierte Quartal-Sit­zung des Schwurgerichtes aus Mangel an (Verbrecher) Material im heurigen Jahre ausfällt, sitzen in München dermalen noch in außerordentlichem Gericht die Ge­schwornen von Oberbayern bei einander, und haben mit den Richtern bereits 5 To­desurtheile gefällt; darunter über einen unglücklichen Sohn, Jakob Engelhard von Schattenhofen, der seiner eigenen Mutter wiederholt die Speisen mit Arsenik ver­giftete, woran sie auch gestorben. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Zeugen von der verstorbenen Mutter, der alten Huberbäuerin aussagten, sie sei eine nicht sonderlich fromme Frau gewesen und habe in Hinsicht auf Religionsangelegenhei­ten keine sehr strengen Ansichten gehabt. Und von der Familie im Allgemeinen wurde erwähnt, daß auf ihr ein besonderes Mißgeschick ruhe, indem der Großvater des Angeklagten im Brand verunglückte, die Großmutter eines so auffallenden To­des starb, als ob sie vergiftet worden wäre, und die Leiche des Stiefvaters, der auch schon gestorben, erst nach dreivierteljährigem Vermissen im Walde aufgefun­den wurde. Hier sieht man also deutlich, wohin eine Familie kommt, wenn kein Ei­fer in der Religion und keine rechte Frömmigkeit darin herrscht. Ein anderer zum Tode verurtheilter Mörder Namens Felix Dörndl hatte mit seinem abscheulichen Gewissen allerhand Exzesse zu bestehen. Die von ihm mit getödtete Geliebte sei­nes Freundes war ihm, wie er sagte einigemal im Traume erschienen zur großen Seelenqual; ein andermal sei ihm, da er sich eben mit einem Strohband hängen wollte, der liebe Gott selbst erschienen und hatte ihn gewarnt: er solle Ihm nur ei­nen Finger reichen und Er wolle ihm, dem Elenden dafür die ganze Hand reichen. Auch die Mutter Gottes sei ihm erschienen; wenn er aber Gott und der Mutter Gottes gefolgt hätte, wäre er nicht herausgekommen (aus den Händen der Gerech­tigkeit); sondern er müsse sich an den Teufel halten, der habe ihm herausgeholfen (wenigstens aller Anfangs; o welch‘ ein verblendeter Bösewicht!). Wir wollen zu Gott hoffen, daß die Tugendbündnisse unter der Jugend immer größeren Eingang finden; dann werden gerade in Ober- und Niederbayern, wo der Bauernstand im Allgemeinen noch sehr wohlhabend und daher die Jugend so übermüthig und un­enthaltsam ist, Zucht und Ordnung sicherlich weit eher gedeihen, als durch jedes andere nicht religiöse Mittel.

Katholisches Sonntagsblatt No. 46. München, den 6. November 1853.


12-07-08* (Engelhard)