Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen (1889) / t_207

Nekrologe von im Jahre 1888 verstorbenen hervorragenden Offizieren

Corbinian Anton Halder, Königlich Bayerischer Generalmajor a. D. Geb. 4. Januar 1817 zu München; gest. 31. August 1888 zu München.

Einer in Bayern wohlbekannten Artillerieoffiziers-Familie entstammend, als Sohn des Generalmajors und Max-Joseph-Ritters Anton v. Halder von Jugend an zum Mi­litärdienste bestimmt, trat er, 1833 den 6. August zum Junker im 2. Artillerie-Regi­ment ernannt, aus dem Cadettencorps in die Armee und wurde am 26. October desselben Jahres im Regiment zum Unterlieutenant befördert. 1837 nach einjähri­gem Lehrcurs in der Salpeter-Raffinerie, 1838 den 1. Januar zur Ouvriercompagnie versetzt, bewies er besonderen Eifer und Geschick auch für das Technische, trat je­doch 1839 den 1. October wieder in den Truppendienst zum 2. Artillerie-Regiment »Zoller« zurück, und wurde in demselben 1847 den 7. April zum Oberlieutenant be­fördert.

Seiner Verwendbarkeit und des Eifers im Dienste zufolge 1848 den 25. April zum Regimentsadjutanten erwählt, blieb er dies bis zur erfolgten Beförderung zum Hauptmann 1849 den 9. October. Als Commandant 1853 den 11. October zur Ou­vriercompagnie versetzt, führte er bis zur Versetzung in das 1. Feld-Artillerie-Regi­ment »Prinz Luitpold« 1856 den 29. November dies Commando in ersprießlichster Weise. Befördert 1859 den 9. Mai zum Major und 1866 den 18. Juni zum Oberst­lieutenant im Regiment, machte er die Gefechte bei Kissingen und Helmstadt-Uet­tingen als Commandant der Artillerie der 1. Division rühmlich mit und erhielt hier­für das Ritterkreuz 1. Klasse des Militärverdienst-Ordens. 1870 den 1. Februar zum Oberst und Commandeur des 1. Feld-Artillerie-Regiments »Prinz Luitpold« beför­dert, mußte er bei Kriegsausbruch, da das ganze Regiment auf beide Divisionen des I. Bayerischen Corps vertheilt war, zur Disposition als Commandant der Ersatz-Artillerie zunächst zurückbleiben, wurde jedoch später bei den Belagerungen ver­wendet, zuerst vor Straßburg (September 1870) und dann von Ende December 1870 bis 28. Januar 1871 vor Paris. 1874 den 16. Februar erbat und erhielt der scheinbar noch rüstige Mann und Soldat, der sich im Felde ein schweres Leiden, dessen Nachwirkungen nun eintraten, geholt hatte, seine Pension, und 1875 den 15. December den Charakter als Generalmajor.

Vieles Leiden war ihm noch beschieden, so auch ein völliges Erblinden, und da auch seine zweite Gattin vor ihm starb, stand er allein, obwohl seine Kinder, zwei geach­tete Civilbeamte und eine an Oberstlieutenant v. Lossow verheirathete Tochter, welche alle selbst Familienstand haben, Alles aufboten, dem Vater die letzten Jahre zu erleichtern. Halder, welcher seiner militärischen Kenntnisse halber öfter zu Re­glementscommissionen beigezogen, auch 1862 zur Artillerie-Berathungscommissi­on commandirt war, galt stets als Muster eines gemäß den Vorschriften strenge den Dienst handhabenden tüchtigen Soldaten, der seine Untergebenen ernst, aber mit Wohlwollen behandelte.

K.

Nekrologe von im Jahre 1888 verstorbenen hervorragenden Offizieren: Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen. 15. Jahrgang 1888. Berlin, 1989.


14-03-01/02 (Halder & Mattiowsky)