Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik (1888) / t_1127

J. B. Obernetter †.

Im Jahre 1887 starb der berühmte Photochemiker und Erfinder J. B. Obernetter in München. Er war am 31. Mai 1840 geboren, studirte Chemie und trat 1860 in das Atelier Albert’s ein. Er erfand 1864 ein neues Copirverfahren ohne Silbersalze, übte das Einstaubverfahren auf hygroskopischen Chromschichten mit grosser Virtuosität und erhielt für seinen darauf basirten Process zur Herstellung umgekehrter Negati­ve von der Wiener photographischen Gesellschaft die grosse goldene Medaille. Eine sehr bedeutsame Entdeckung war die Vervollkommnung von Collodionemulsi­onspapier. Eine besondere Aufmerksamkeit wandte Obernetter dem Lichtdruck zu, wobei er die Vorpräparation der Platten mit Wasserglas einführte und Drucke von hoher künstlerischer Vollendung lieferte. Er erfand einen neuen sinnreichen Emulsi­onsprocess durch Silbern einer Bromsalz haltigen Gallerte. In der letzten Zeit hatte er ein völlig neues Princip der Heliogravüre erdacht und mit der ihm gewohnten Sorgfalt ausgearbeitet, welche unter dem Namen Kupferlichtdruck bekannt ist. Die Methode besteht dann, dass er ein im Chlorsilber verwendetes Negativ direct in das Kupfer, in einer nicht näher bekannten Weise einätzt Diese Methode überragt an Schönheit und Schnelligkeit alle anderen heliographischen Methoden. Der Ver­lust, den die photographische Welt durch den Tod J. B. Obemetter’s erlitten hat, ist ein sehr grosser.

Wir bringen das Porträt des genannten Forschers in unserer Beilage; sie ist mittels des Obernetter’schen Lichtkupferdruckes in der von Obemetter gegründeten, nun­mehr von seinem begabten Sohne Emil Obernetter geleiteten Anstalt hergestellt und zeigt zugleich die grosse Leistungsfähigkeit der von Obernetter erfundenen photographischen Druckmethode.

Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik für das Jahr 1888. Halle an der Saale, 1888.


21-03-24 (Obernetter)