Historisches Handbuch der merkwürdigsten Personen (1806) / t_254

Franz Xaver Käfer, Professor, erster Lehrer an der Feyertagsschule der bürgerlichen Handwerker, welche an den abgeschaften Feyertagen zu München gehalten wird. Gestorben am 10. Oktober 1802.

Käfer war zu Axöd, einem Bauerngut, unweit dem Bahnmakke Eggenfelden in Baiern gebohren; seinen ersten Unterricht erhielt er in der Riexlischen Schule in Eggenfelden, kam im 10. Jahre seines Alters als Singknabe in das Kloster Aspach, wo er lateinisch lernte, und nach 3 Jahren gieng er nach Landshut.

Der damalige Seminarpräfekt, Professor Forster, leitete seine Vorliebe zur Musik, vorzüglich dem Klarinette, feinem Lieblingsinstrumente, wodurch er die Aufmerksamkeit des damaligen churfürstlichen Hofmusikintendanten Grafen von Seeau auf sich zog. Von Landshut kam er nach München, wo er im Lyceum Logik und Physik studierte. Um sich leichter zu ernähren, gab er Unterricht in der deutschen und lateinischen Sprache und Musik.

Durch seine Thätigkeit und Eifer ward er im Jahre 1790 Aufseher und Repetitor in der churfürstlichen Militärakademie. Durch dieses undankbare und harte Aemrchen, wobei viel Verdruß, wenig Lohn und noch weniger Freude zu ärndten war, bahnte er sich den Weg zum wirklichen Professor bei gedachter Akademie.

Schon lange entwarf er einen Plan, eine Feyertagsschule zu errichten, und übergab ihn dem damals regierenden Churfürsten Karl Theodor zur Genehmigung. Diese erfolgte im Jahre 1793. So viele Hindernisse sich zur Ausführung dieses Plans zeigten, so eröfnete er doch diese Schule im August dieses Jahres in seiner eigenen Wohnung, und suchte und erhielt Beyträge von Bruderschaften und milden Stiftungen. Die Zahl der Schüler vermehrte sich Anfangs gleich auf vierhunderte; der Raum seiner Wohnung, war bald zu eng, er mußte eine größere miethen. Da der Schullustigen immer mehrere wurden, und er aus eigenen Mitteln die Lehrbücher nicht, wie er wollte, bezahlen konnte, auch auf andern Seiten mehrere Hindernisse entstanden, so sah er sich überall um Freunde und Wohlthäter um.

Er fand solche bei dem bürgerlichen Magistrate in München, bei dem churfürstlichen geistlichen Rathe und selbst bei der hohen Landschaft, welche leztere ihm im Jahre 1795 ihr eigenes Gebäude auf dem Anger mit vier geräumigen Zimmern unverzinslich zum Gebrauche der Schulen überließ, wozu der Magistrat die Schuleinrichtungen beischafte. Käfer brachte seine Schule in einen solchen Stand, daß sie als Muster für alle zu errichtenden Feyertagsschulen aufgestellt wurde. Käfer pflegte sie, wie ein Kind. Er entsagte der Professur in der Militärakademie, und wurde im J. 1800 dafür vom geistlichen Rathe zum Inspektor der deutschen Schulen mit einem hinlänglichen Gehalt ernannt. Von nun an war er ganz enthusiastisch für seine Schule und für die Errichtung mehrerer ähnlichen im Lande eingenommen. Er stand mit den berühmtesten Schul- und Erziehungsfreunden in Briefwechsel. Noch trug er den großen Gedanken herum, mit seiner Feiertagsschule ein Schullehrerseminarium in Verbindung zu bringen. Allein zu früh entriß ihn der Tod.

Um das Andenken dieses thätigen Mannes zu ehren, welcher dem Vaterlande durch die erste Gründung und eifrige Beförderung dieses gemeinnüzigen Instituts wichtige Dienste geleistet hat, bewilligte der Churfürst Maximilian Joseph, obgleich für die Wittwen öffentlicher Lehrer noch kein Pensionsfond vorhanden ist, doch seiner hinterlassenenWittwe eine jährliche Pension von hundert und fünfzig Gulden aus der deutschen Schulkasse, wovon ihr auch die Hälfte im Falle einer weitern Verheurathung, lebenslänglich verbleiben soll. Auch befahl der, wahre Verdienste um den Staat schäzende Regent, daß dem Verstorbenen, ohne Vergeltung zur Kirchhofskasse, eine Grabesstätte überlassen, und daselbst, auf Kosten des Schulfonds, ein passendes Monument errichtet werden soll.

Historisches Handbuch der merkwürdigsten Personen, welche im neunzehnten Jahrhunderte gestorben sind. Herausgegeben von Albrecht Weyermann, Diakon zu Bermatingen und Pfarrer in Themmenhausen bei Ulm. Augsburg, 1806.


03-01-32 (Kefer)