Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_867

Schwartz Johanna geboren in Hamburg (verehel. gew. Hanfstängl), begann ihre theatralische Laufbahn in Würzburg. Bevor sie sich dem rezitierenden Drama zu­wendete wirkte sie als Sängerin und zwar sang sie an der königl. Oper in Berlin mit vielem Erfolg Partien wie: »Gräfin« in »Figaro«, »Agathe« in »Freischütz« etc. Nach kurzem Wirken daselbst trat sie als jugendlich-dramatische Sängerin in den Ver­band des Hoftheaters in Karlsruhe, woselbst sie acht Jahre als hervorragendes Mit­glied des Opernensembles wirkte.

Nichtsdestoweniger fühlte sie sich zum Schauspiel hingezogen und nachdem sie als »Preziosa« und »Gretchen« untrügliche Beweise ihres dramatischen Talentes gege­ben hatte, beschloß sie ernstlich den Übergang zur ausschließlichen schauspieleri­schen Tätigkeit. Bevor sie jedoch diesen vollständigen Wechsel in ihrer künstleri­schen Wirksamkeit ausführte, war sie während der letzten zwei Jahre ihres Engage­ments in Karlsruhe sowohl in der Oper als auch im Schauspiel tätig, und zwar ver­trat sie stets ein erstes Fach.

1881 wurde die Künstlerin für das Hoftheater in Berlin verpflichtet, woselbst sie bis 1889 als Heroine, resp. tragische Liebhaberin äußerst erfolgreich wirkte. »Iphige­nie«, »Orsina«, »Maria Stuart«, »Jungfrau von Orleans«, »Antigone« etc. gehörten zu ihren beliebtesten Leistungen. Da mußte sie sich infolge ernster andauernder Krankheit von der Bühne zurückziehen, die sie erst nach vier Jahren wieder betrat.

Sie folgte 1894 einem Ruf an das Hoftheater in München, woselbst sie das Fach der Mütter, Heldinnen und älteren Anstandsdamen mit entsprechender Würde und No­blesse vertritt.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


02-07-37 (Hanfstaengl & Schwartz)