Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_646

Clauer Marie, geborene Marie de Bruin, geboren 1816 in München. Sie bildete sich fürs Lehramt aus, blieb diesem Berufe jedoch nicht treu und beschloß, durch die großartigen Gebilde der Sofie Schröder angeregt, sich der Kunst zu widmen, und so betrat sie am 11. September 1833 als »Hedwig« in »Die Banditenbraut« in Re­gensburg zum ersten Mal die Bühne. Sie wirkte zwei Jahre daselbst, kam dann nach Koblenz, hierauf nach Aachen, 1836 nach Hamburg und 1837 an das Hofthea­ter Schwerin, wo sie als »Griseldis« mit so glänzendem Erfolg gastierte, daß sie so­fort für dieses Kunstinstitut gewonnen wurde. Sie blieb daselbst bis zu ihrem Tode und starb während eines Gastspiels in München am 2. August 1840. C’s Talent be­fähigte sie vorzugsweise zu tragischen Charakteren und riefen ihrer Leistungen, be­sonders als »Maria Stuart«, »Klärchen«, »Käthchen von Heilbronn«, »Gretchen«, »Griseldis« etc., überall Bewunderung hervor. Dabei war sie vorteilhaft unterstützt von einem angenehmen Äußeren, einem lieblichen, jeder Nuance fähigen Organ, einem sprechenden, lebhaften Auge.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


ML-SP-1-27* (Clauer)