Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_605

Brummer Eduard, geboren am 6. Dezember 1850 in München. Seine Neigung und Begabung fürs Theater machten sich schon frühzeitig bemerkbar und überwand er mutig alle Hindernisse, die sich ihm, namentlich im Anfang seiner Laufbahn entge­genstellten, immer sein Ziel vor Augen, welches er schließlich, wenn auch auf dor­nenvoller Bahn, erreichte. Er begann auf kleinen bayerischen Provinzbühnen, dann kam er nach Ischl, Meran, Salzburg und Triest, wo er überall als Spaßmacher beliebt war, es jedoch zu keiner künstlerischen Stellung bringen konnte. B. wurde auch an die Komische Oper in Wien engagiert, doch führte ihn die Sehnsucht bald nach sei­ner Vaterstadt zurück, wo er am Thalia-Theater unterkam. E. blieb nicht lange da­selbst. 1876 wurde er Mitglied des Stadttheaters in Brünn und 1877 an das Fried­rich Wilhelmstädtische Theater in Berlin verpflichtet, wo sein Stern zu leuchten be­gann und er endlich 1878 einen Ruf an das Gärtnerplatz-Theater in München er­hielt. Nun hatte er das Ziel seines künstlerischen Ehrgeizes erreicht, und bald saß er fest in der Gunst des Publikums und zählte zu den Lieblingen der Münchener. Sowohl im Volksstück, wie in der Operette und Posse, überall stellte er seinen Mann und bald war ein lustiges Stück ohne B. in der Hauptrolle am Gärtnerplatz-Theater, nicht mehr gut denkbar. 10 Jahre lang wirkte er in dieser in jeder Bezie­hung bevorzugten Stellung, bis er am 10. November 1888 ganz plötzlich am Herz­schlag, und zwar in seiner Gaderoben, unmittelbar nach der Premiere der komi­schen Oper »Ali Baba«, in welcher er kurz vorher als »Cassim« auf den Brettern, die für ihn in der Tat die Welt bedeuteten, einen großen Erfolg gehabt hatte, ver­schied. Sein früher Tod wurde allgemein betrauert.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


NA-060 (Brummer & Schratzenstaller & Seidenader & Strebel)