Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_526

Bausewein Caspar, geb. am 15. November 1838 in Bayern, erhielt seine Ausbildung von Dr. Hartinger in München und wurde bereits am 1. Oktober 1858 ans Hofthea­ter daselbst verpflichtet, dem er ununterbrochen bis 1901 angehörte. Er be­herrschte das ganze Baß- und Baßbusso-Fach, er war ein echter Bassist der deutschen Schule, für den weder stimmlich noch künstlerisch eine Grenze seines Könnens existierte, der aber sein Höchstes in Rollen bot, wo er seinen jovialen köstlichen Humor auslassen konnte – ein Spielbaß sondergleichen. Als unübertrof­fen in dieser Hinsicht galt sein »Basilio« im »Barbier«, sein »van Bett« im »Zar und Zimmermann« sowie »Caspar«, »Leporello«, »Figaro«, »Papageno«, »Kellermeister« etc. Sein Abschied von der Bühne bildete ein wahres Familienfest des Münchener Hoftheaters, denn er dankte, nach mehr als vierzigjähriger höchst erfolgreicher Wirksamkeit reich an Ehren und Auszeichnungen, ab, als man noch sagen mußte, »schade daß er geht.« B., in Anerkennung seiner Verdienste längst zum bayrischen Kammersänger ernannt, hat seinen Wohnsitz in München beibehalten.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


31-02-34 (Bausewein)