Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_1365

Urban Wilhelm, geboren 1795 in München. Er sollte sich in Frankfurt dem Kauf­mannsstande widmen, hielt es jedoch im Comptoir nicht lange aus und als 17jähri­ger Jüngling kam er voll Kunstbegeisterung nach München zurück und suchte beim dortigen Hoftheater anzukommen. Man ließ ihn lange auf Entscheidung warten. Endlich erfolgte 1813 sein Engagement. Er blieb aber auch dem Theater fortab bis zu seinem Tode treu, der ihn in seiner besten Kraft ereilte.

U. hatte einen ausdrucksvollen Kopf und ein kräftiges, aber angenehmes Organ. Sein Wuchs war leider klein, aber elegant. U. hatte seine Mienen auf das Bewunderungswürdigste in seiner Gewalt und der Ausdruck jeder Leidenschaft stand ihm zu Gebote. An die großen Aufgaben ging er mit wahrem heiligem Eifer und mit Auf­bietung seiner besten Kräfte. Seine Prosa war seinen Versen vorzuziehen. Ausbrü­che des Gefühls gelangen ihm über alle Maßen. Von seinen Leistungen im Liebha­ber- und Heldenfache verdienen sein »Don Carlos«, »Ferdinand«, »Don Cesar«, »Pylades«, »Franz« im »Götz« besondere Erwähnung. Zu seinen gelungensten Dar­stellungen muß jedoch »Hamlet« gerechnet werden, dem er jahrelanges Studium widmete, und soll er den Monolog im dritten Alt unübertrefflich gesprochen haben. U., der eine lebhafte Phantasie und einen durchdringenden Scharfsinn in der Auf­fassung dramatischer Werke besaß, feierte auch im bürgerlichen Drama große Er­folge.

Eine rätselhafte Krankheit, die scheinbar gefahrlos begann, machte seinem Leben ein frühzeitiges Ende. Er starb am 28. Februar 1833 auf der Höhe seines hervorra­genden Schaffens und Wirkens.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


25-10-40 (Mayer & Urban)