Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_1329

Spitzeder Josef, geb. 1796, war der Sohn eines Sängerpaares. (Sein Vater J. B. Spit­zeder war ebenfalls ein sehr bekannter Bassist, dessen Name in der Theaterwelt ei­nen sehr guten Klang hatte. Derselbe war 1769 geboren, wurde 1789 Mitglied des kurfürstlichen Nationaltheaters in Bonn, wirkte später als Bassist in Kassel »in ers­ten ernsthaften Baßrollen in der Oper«, und debütierte hierauf am 27. März 1799 (als »Osmin« in »Entführung«) auf Engagement in Weimar und blieb daselbst bis zum 22. Januar 1804 um ein Engagement in Wien anzunehmen, was er jedoch spä­ter bitter bereute.) Sp. widmete sich aus Neigung ebenfalls der theatralischen Lauf­bahn und betrat als Schauspieler die Bühne. Man entdeckte jedoch sehr bald seine herrliche Stimme, die er in Hamburg ausbilden ließ. Er nahm zuerst in Wien Enga­gement (empfing dort Gesangsunterricht beim Hofkapellmeister Weigl) und erreg­te sowohl in komischen wie in Baßbuffopartien Aufsehen. Von dort kam er an das Königstädtsche Theater nach Berlin. Hier gefiel er besonders als »Papageno« in der »Zauberflöte«. Seine unversiegbare Laune, seine selten schöne Stimme, sowie sein mimisches Talent machten ihn bald zum erklärten Liebling der Berliner. C. L. Coste­noble notiert über Sp. am 15. Mai 1823 in seinen »Tagebuchblättern«: »Spitzeder adressierte alle seine Monologe, zu meinem Ärger, an das Publikum, er scheint kei­nen Begriff davon zu haben, daß jeder Schauspieler sich eine Scheidewand zwi­schen Bühne und Parterre denken muß. Das ist um so bedauernswürdiger als Spit­zeder einen ungeheuren Reichtum komischer Laune in sich trägt.« Am 15. Septem­ber 1832 erhielt der nun schon berühmte Baßbuffo einen Ruf ans Münchner Hof­theater. Seiner dortigen bevorzugten Stellung konnte er sich jedoch nicht lange er­freuen, denn am 13. Dezember des genannten Jahres verschied er daselbst. Kaum hatten die Münchner Sp., diesen prächtigen Bassisten gewonnen, mußten sie schon seinen Verlust beklagen. Die deutsche Bühne besaß in ihm einen der besten Baßbuffosänger.

Sp. war zweimal verheiratet. Das erste Mal mit Henriette Schüler. Seine zweite Frau war Betty Spitzeder.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


18-14-26 (Maurer-Spitzeder & Schmid & Spitzeder)