Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903) / t_1062

Meittinger Lina, geboren in München. Schon als Kind von neun Jahren wurde sie als »Genius« in »Orpheus in der Unterwelt« im Aktientheater beschäftigt. Da sich die Kleine sehr geschickt anstellte, so wurde sie auch noch in anderen Stücken, z. B. als »Schützender Engel« im »Käthchen von Heilbronn« etc. verwendet, erhielt sogar nach und nach kleine Kinderrollen zugeteilt.

Die Eindrücke, die sie damals empfing, waren so nachhaltend, daß sie, nachdem sie das Mädcheninstitut verlassen hatte, keinen anderen Wunsch mehr hatte, als Schauspielerin zu werden. Die Liebe und der Hang zum Theaterspiel waren bereits viel zu mächtig in ihr geworden, als daß der Widerstand, den sie bei ihrem Vater fand, groß genug gewesen wäre, um sie von dem bereits erwählten Lebensberufe abzuhalten.

Sie nahm dramatischen Unterricht an der königlichen Musikschule in München und trat 1877 in den Verband des Gärtnerplatztheaters in ihrer Vaterstadt. Dort wirkte sie lange Zeit, schloß sich auch den »Münchnern« an und erntete als Soubrette und Liebhaberin auf den Reisen dieser oberbayerischen Gastspielgesellschaft reiche Anerkennung.

Die Künstlerin wirkte am Gärtnerplatztheater bis zum Jahre 1898, war zwei Jahre in keinem festen Theaterverband, sondern erschien als Gast und übernahm im Jahre 1900 die Direktion des neuen Volkstheaters in München, woselbst sie die Oberre­gie führte, aber auch ihre künstlerische Kraft als Darstellerin dem Unternehmen widmete, das sie jedoch 1901 wieder aufgab.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Ver­lagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.


23-06-18 (Haberl & Meittinger)