Gelehrtes München im Jahre 1834 / t_472

Wenzl, Dr. Johann Baptist v., wurde geboren den 9. Februar 1785 in Schlehdorf am Kochelsee im Isarkreise, erhielt den ersten Unterricht in der deutschen und lateini­schen Sprache, in Musik u. s. f. im Kloster daselbst, vom Jahre 1796 – 1802, den Gymnasial-Unterricht im Kloster zu Benediktbeuern, welcher dort zu jener Zelt un­ter Abt Glocker auf einer hohen Stufe von Vollkommenheit stand, kam im Jahre 1803 an’s Lyceum zu München, im Jahre 1805 an die Universität zu Landshut, ward daselbst im Jahre 1809 als Feldspiralarzt im combinirten französischen bayerischen Feldspitale an der Trausnitz angestellt, in welchen er verweilte, bis er am anste­ckenden Hospital-Typhus tödtlich erkrankte; erhielt über die geleisteten ärztlichen und chirurgischen Dienste die Bezeugung der allerhöchsten Zufriedenheit im kö­nigl. Regierungsblatte; graduirte hierauf am 5. April 1810 zu Landshut unter v. Walther; gieng durch Unterstützung der königl. Regierung zur höhern Ausbildung in der Medizin, Chirurgie und Augenheilkunde drei Jahre, vom Jänner 1811 bis De­zember 1813, auf wissenschaftliche Reisen nach Wien, Prag, Berlin, Göttingen und mehrere andere deutsche Universitäten, verweilte zu demselben Zwecke, vom De­zember 1812 bis November 1813 in Paris, trat bald nach der Rückkehr in die ärztli­che und chirurgische Praxis in München ein, welche er beide mit gleichem Erfolge und bald in großem Umfange übte, ward im Jahre 1816 als Secundärarzt an der chirurgischen Abtheilung des allgemeinen Krankenhauses daselbst angestellt, dann im Jahre 1819 als Hof-Stabsarzt und erster Hof-Stabswundarzt, erhielt in diesen beiden Branchen mehrfache Beweise der allerhöchsten Zufriedenheit König Max’s, ward im Jahre 1829, während der letzten tödtlichen Krankheit des königl. gehei­men Rathes und Leibarztes Dr. v. Harz und in Verhinderung des zweiten königl. Leibarztes Dr. v. Distlbrunner, berufen, die leibärztliche Funktion am königl. Hofe zu übernehmen, in welchem Zeitraume mehrere lebensgefährliche Krankheiten der königl. Kinder, eine in Abwesenheit I. I. M. M., und später die Heilung Sr. Majestät des Königs während des strengen Winters im Jahre 1829/30 von einer vieljährigen bösartigen Flechte fielen; ward Medizinal-Rath im März 1830, begleitete Se. Maje­stät den König bald hierauf in die Heilbäder nach Ischia, ward königl. Leibarzt nach der Rückkehr im Juny 1830, Ober-Medizinal-Rath im August 1831, Ritter des königl. Civilverdienst-Ordens der bayerischen Krone am ersten Jänner 1832, Geheimer Rath im Jänner 1834.

Adolph von Schaden: Gelehrtes München im Jahre 1834. München, 1834.


ML-230/231* (Wenzl)