Europa (1838) / t_1220

Bildende Kunst.

Amalie von Schattenhofer, die Gattin des königl. bayer. quiesc. Damenstifts-Canz­lers, Franz Xaver von Schattenhofer, und Tochter des berühmten Leibarztes, Profes­sors und Mitgliedes der Akademie der Wissenschaften in München, Ferdinand Ma­ria Baader. Sie wurde 1765 den 31. Mai zu Erding, im Isarkreise, geboren, lernte die Zeichen- und Malerkunst beim Hofkammerrath und Galeriedirector Jacob Dorner, und brachte es vorzüglich im Zeichnen mit farbigen Stiften, Pastellmalen etc. so weit, daß sie Portraite nach der Natur verfertigte. Einer ihrer Lehrer war auch Hr. Galeriedirector von Dillis zu München, dessen Achtung sie bis an ihr Ende genoß. Sie copirte auch in Oel mehre Bilder, namentlich eine Madonna mit dem Kinde, nach Guido Reni, aus der Sammlung des Grafen von Tettenbach, das Portrait der Frau Herzogin Amalie von Zweibrücken, nach Stieler, eine alte Frau, nach Rubens, eine kleine Flucht nach Aegypten, nach Guido Reni, aus der Sammlung des Herrn Banquier Straßburger, etc.

Sie radirte:
a) Bruchstück des Portraits von van Dycks Gemahlin.
b) Bruchstück der Omphale mit der Löwenhaut, nach Domenichino.
c) Kopf eines lachenden Bauern, nach Dorner.
d) Ideal eines Frauenzimmerkopfs mit rundem Hute.
e) eine betende Madonna, nach Guido Reni.
f) Ideal eines lachenden Mönchskopfes.
g) Portrait der Gemahlin des Kupferstechers G. F. Schmidt, in Berlin.
h) Portrait der Mutter Rembrandts.
i) Portrait des Juden Hirschmichel.
k) Der Patriarch Jacob, nach Rembrandt.
l) Das Portrait des Pfarrers Lanz, nach Dorner.
m) Drei Kinderköpfe, nach Schmidt.
n) Zwei Kinderköpfe, nach Dslb.
o) Ein Mädchenkopf, oval.
p) Ein Frauenzimmerkopf, nach Angelica Kaufmann.
q) Portrait der Madame Schmidt, nähend dargestellt, nach G. F. Schmidt.
r) Ein Mönchskopf mit Augengläsern.
s) Portrait einer Frau, nach Baacker, aus der königl. Galerie.
t) Eine alte Frau, nach G. F. Schmidt.
u) Portrait eines Mannes mit Pelzmütze und langen Haaren, nach Rembrandt.
v) Kopf eines Türken, nach G. F. Schmidt.
In punctirter Manier lieferte sie:
a) Das Portrait des Engländers Schwindborn.
b) Das Portrait des Herrn Grafen von Heimhaufen, nach einem Gemälde von Keller­hofen.
c) Der lesende Amor, nach Correggio.

Sämmtliche Blätter sind vom Jahre 1780-1784.

Ihre letzten Radirungen waren: Ein aufwärts sehender Frauenkopf, nach Albani, aus ihrer eigenen Gemäldesammlung, vom Jahre 1830, und der Herzog Wilhelm, nach einem Gemälde von Sandrart, ebenfalls aus ihrer Sammlung, vom Jahre 1834.

Pastellmalereien aber waren es, womit sie sich in ihren früheren Jahren vorzüglich beschäftigte:
1) Mannskopf und Frauenskopf, Gegenstücke, nach Baacker, aus der kgl. Galerie.
2) Ein Ritter, nach van Dyck, aus ebenderselben.
3) Theseus verläßt die Ariadne, nach Poussin.
4) Die Büste ihres Vaters auf einem Piedestal, mit allegorischen Figuren, eigene Composition.
5) Die Susanne im Bade, nach Rubens, aus der kgl. Galerie.
6) Der lesende Amor, nach Correggio, aus ebenderselben.
7) Die Musik und Malerei, eigene Erfindung, durch deren Ausstellung zu Augsburg dieselbe als Ehrenmitglied der dortigen Akademie aufgenommen wurde.
8) Mehre mythologische Gegenstände, eigene Composition.
9) Im Jahre 1825 copirte sie den guten Hirten, nach Murillo, aus der herzoglich leuchtenberg. Gemäldegalerie.
10) Mehre Portraits.

Sämmtliche Pastellgemälde, mit Ausnahme von Nro. 9., malte sie noch in ihrer frü­hen Jugend. Später arbeitete sie mehre Gemälde mit farbigen Stiften, worunter vorzüglich zu bemerken sind:
1) Die Himmelfahrt Mariä, nach Guido Reni, aus der königl. bqyer. Galerie.
2) Das Bildniß der Fr. von Dallarmi, nach Angelica Kaufmann.
3) Das Portrait des Herrn Staatsraths von Kobell, nach Stieler.
4) Die Bildnisse ihrer Kinder.
5) Ihr letztes Werk: Eine Anbetung der Hirten, nach einem Gemälde, in Besitz des Herrn Grafen von Preising-Moos.

Bis in ihr spätestes Alter lebte sie der Kunst, welches auch ihre, nicht unbeträchtli­che Sammlung von Kunstbüchern, prächtigen Kupferwerken und Kupferstichen, Li­thographien, plastischen Gegenständen und Oelgemälden beweist.

Sie stand beinahe mit allen ersten Künstlern und Kunstfreunden in freundschaftli­chem Verhältnisse. Sie dedicirte ihrer hohen Gönnerin, der Frau Herzogin von Cur­land, mit der sie in Briefwechsel stand, mehre Kupferstiche. Voa ihrem Vater, für den sie bis zu ihrem letzten Augenblick mit der höchsten Verehrung und Dankbar­keit erfüllt war, hatte sie eine ausgezeichnete Bildung erhalten, sowohl in der italie­nischen, französischen und englischen Sprache, als auch in theoretischer Musik, Ge­sang und Clavierspiel.

Sie starb den 24. September 1837, in dem Alter von 72 Jahren, beweint und be­trauert von ihrer großen Familie, und Allen, die sie kannten. (Man bittet um ähnli­che Mittheilungen, die stets bereitwillige Aufnahme finden sollen.)

Europa. Chronik der gebildeten Welt. Stuttgart, 1838.


05-01-34* (Schattenhofer)