Enyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften (1841) / t_1146

Pellegrini, Clementine, geb. Moralt, Gattin des vorhergehenden, Königl. Hof- und Capellsängerin, und ebenfalls Mitglied der K. Hofbühne. Sie ist am 8ten October 1797 zu München geboren und erhielt den ersten Gesangsunterricht von der da­maligen Hofsingmeisterin Dorothea Güthe, durch deren Lehre ihre schöne und klangreiche Contraltstimme so weit ausgebildet wurde, daß sie im Jahre 1817 als Königl. Hof- und Capellsängerin eingestellt werden konnte. Im Jahre 1819 wurde sie durch die Gnade Ihrer Majestät der Königin Carolina dem ausgezeichneten Ge­sangslehrer Domenico Ronconi zur höhern Ausbildung übergeben, betrat am 8ten Mai 1820 zum ersten Male in der Oper »Emma di Resburgo« von Meyerbeer die italienische Hofbühne, und gefiel so außerordentlich, daß sie unmittelbar nachher bei der italienischen Hofoper engagirt wurde. Die Umstände waren indessen da­mals dieser vielversprechenden Sängerin nicht günstig; denn die ersten Sängerin­nen der italienischen Oper waren theils schon im Besitz der besten Rollen, theils hatten sie durch ihre Kontrakte ein unbestreitbares Recht auf die ferner zur Darstel­lung zu bringenden, und so kam denn an die später Angestellte nur selten eine wirklich gute Parthie, durch die sie sich in der öffentlichen Meinung hätte hö­her stellen können. Demungeachtet wirkte sie mit Fleiß und Liebe auch in der weni­ger glänzenden Sphäre, die ihr zugewiesen war, und erhielt sich in der fortdauern­den Achtung des Publikums. Im Jahre 1825 trat sie nach Auflösung der italieni­schen Hofoper mit ihrem Gatten, mit welchem sie sich nicht lange vorher verheirat­het hatte, zur deutschen Oper über, wo sie nun seit bald 12 Jahren als ein ach­tungswerthes und nützliches Mitglied wirkt. Sie ist eine Sängerin von guter Schule und vorzüglich musikalisch gebildet, als Kirchensängerin ausgezeichnet, und auf der Bühne wie im Koncertsaale vielseitig verwendbar, besonders aber im Vortrage ausdrucksvollen und gemüthreichen Gesanges ganz an ihrem Platze, wogegen das sog. Brillante, wie das bei allen Contraltstimmen der Fall ist, weniger für sie paßt. PNJ.

Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universal-Lexicon der Tonkunst. Fünfter Band. Stuttgart, 1841.


16-12-12/13 (Moralt & Pellegrini)