Dr. Neubert’s Deutsches Garten-Magazin (1885) / t_738

Nekrolog
auf Karl von Effner,
königl. Hofgärten-Direktor in München.
(Mit Porträt.)

Am 22. Dezember 1884 verschied in München nach langer schwerer Krankheit Karl v. Effner, Direktor der königlichen Hofgärten in Bayern. Er stammte aus einer der ältesten Hofgärtnerfamilien Bayerns; sein Vater Karl Effner, welcher lange Zeit mit der Leitung des königlichen Küchengartens betraut war und vom Jahre 1855 bis 1865 in der Eigenschaft als Hofgärten-Inspektor in sämtlichen Hofgärten wirkte, starb im Jahre 1870. Sein Urgrossvater war schon Hofgärtner im Jahre 1728; zwei Onkel desselben waren gleichfalls in bayrischen Diensten als Hofgärtner.

Karl von Effner wurde am 10. Dezember 1831 zu München geboren und hat somit kaum das 53. Lebensjahr erreicht. Von frühester Jugend an fühlte er grossen Drang zu dem Gartenfache in sich; er absolvierte die Lateinschule und musste dann we­gen Kränklichkeit privatim studieren; nachdem er als Hospitant die Vorlesungen von Prof. Zuccarini, Martius, Schubert, Kaiser und Alexander besucht hatte, war er anfangs bei seinem Vater in dem königlichen Hofküchengarten beschäftigt, später einige Zeit im königlichen botanischen Garten in München. Im Jahre 1850 machte er sich auf, um sich die Welt anzusehen. Zunächst ging er nach Wien, wo er bei dem berühmten Schott in Schönbrunn konditionierte, etwas später im kaiserlichen Hofburggarten; dortselbst ein paar Monate beschäftigt ging er hierauf nach Prag, wo er sich ebenfalls einige Zeit aufhielt und von hier wanderte er nach Sanssouci; hier hatte er das Glück, in nähere Beziehung zu dem berühmten Landschaftsgärt­ner und Gartendirektor Lenné zu treten, der in ihm den Entschluss erweckte, sich ganz und gar der Landschaftsgärtnerei zu widmen.

Wenn auch sein Tagebuch, das er auf seinen Reisen führte, zur Genüge beweist, wie sehr er sich der Landschaftsgärtnerei zuneigte, so könnte man bei dem vielsei­tigen Eifer, den er für seinen Beruf fühlte, doch zweifeln, ob er gerade dieser Bran­che den Vorzug gegeben habe. Ohne Zweifel ist es dem Umstande, dass er die Vielseitigkeit der gesamten Garten-Kunde frühzeitig erkannte, zuzuschreiben, wenn er auf diesen Höhepunkt gekommen. Lenné, mit Pückler-Muskau und Skell-Mayer wohl einer der bedeutendsten Landschaftsgärtner unseres Jahrhunderts, nahm ihn, nachdem er zuerst in der Früchte-Treiberei konditioniert hatte, oft zu sich, um ihm teils fertige Arbeiten, teils Projekte zu zeigen und um ihn mit den viel­seitigen Aufgaben, die einem Landschaftsgärtner obliegen, vertraut zu machen. Freilich hat er diese besondere Gunst in erster Linie dem Höchstseligen König Max II. zu verdanken, der ihn mit einem mehrjährigen Reise-Stipendium ausstattete und vier Jahre hindurch mit einem ansehnlichen Stipendium beglückte, sowie allseitig, besonders auch an Lenné, empfahl. Letzteres hatte eine um so grössere Bedeutung für ihn, als Lenné zur damaligen Zeit von König Max II. den Auftrag hatte, einen Plan zu entwerfen, demzufolge München ringsum mit einer Promenade umgeben werden sollte. Und in der That hat Lenné dieses Projekt bearbeitet; es war vom englischen Garten, über Schwabing, Neuhausen gegen die Bavaria zu ein vollstän­diger Park gedacht; der Plan ist unseres Wissens heute noch in den Händen der kgl. Hofgärten-Direktion.

Dem Verlebten standen hoher Schutz, Mittel, kurz alles, was er nur wünschte, zur Verfügung; er war vom Glücke begünstigt wie wenige.

Nachdem Effner nahezu ein Jahr in Sanssouci – wo der Berichterstatter zu gleicher Zeit mit ihm beschäftigt war – sich aufgehalten, reiste er, nachdem er zuvor die her­vorragendsten Gärten Nord-Deutschlands besucht hatte, nach Belgien, um sich in der Gärtnerei von Van Houtte, damals die berühmteste von ganz Europa, einige Zeit aufzuhalten. Alle Fachmänner, welche mit der Geschichte des Gartenbaues ein wenig vertraut sind, werden sich erinnern, welch grossen Einfluss Van Houtte zur damaligen Zeit auf den Gartenbau hatte und mit welcher Hochachtung noch heut­zutage das In- und Ausland von den Verdiensten dieses Mannes spricht. Van Hout­te war auch der erste, der neben seiner grossen Gärtnerei eine höhere Gärtner-Lehranstalt gründete. Nachdem Karl von Eftner eine Weile dort beschäftigt war, machte ihm Van Houtte den Vorschlag, an der Anstalt den Zeichenunterricht zu übernehmen und Vorträge über die Landschaftsgärtnerei zu halten.

Dieser Umstand war für unsern verstorbenen Freund von höchster Bedeutung; gab er ihm einerseits Gelegenheit, seine Kenntnisse in der Zeichenkunst, in der er Tüch­tiges leistete, zu verwerten, so war ihm anderseits Zeit gegeben, sich dieser nun einmal fest bestimmten Branche ganz und gar zu widmen. Er war nicht mehr, wie seine Kollegen, an die Arbeitsstunden gebunden, sondern konnte seine ganze Wirksamkeit der Landschaftsgärtnerei zuwenden. Jeder freie Tag, jede freie Stunde wurde von jenem Zeitpunkte an benutzt, die verschiedenen grösseren Gärten Bel­giens und Hollands zu besuchen, was nicht schwer war, da Belgien bereits in den fünfziger Jahren einen ausgedehnten Eisenbahnverkehr hatte und die Reise in die Nachbar-Länder nicht mit Schwierigkeiten verbunden war. v. Effner fühlte sich in Gent so glücklich, dass er nahezu zwei Jahre dort verweilte und den Aufenthalt dortselbst immer zu den schönsten Erinnerungen seines Lebens rechnete.

Sein bestimmtes Vorhaben, England zu sehen und sich auch der Sprache zu be­mächtigen, führte ihn dorthin und er besah sich die hervorragendsten Gärten Eng­lands, Schottlands und Irlands, wozu er ungefähr ein halbes Jahr brauchte.

Die Landschaftsgärtnerei in England war, man darf sagen, fast bis zur Neuzeit auf einem bedeutenden Höhepunkt; denn England hat in diesem Fache wirklich grosse Meister aufzuweisen. Dass die klimatischen Verhältnisse – das Insularklima – der Ve­getation ausserordentlich günstig sind und daher die Landschaftsgärtnerei dort kei­ne so schwierigen Aufgaben zu lösen hat, möchten wir um so weniger unerwähnt lassen, als es ja bei uns teils durch die beschränkte Wahl der Bäume, teils durch das Zurückgehen oder Erfrieren einzelner Gewächse unmöglich ist, ein gleich schönes Bild zu schaffen. Von England aus reiste v. Effner nach Frankreich, hielt sich in Paris, wo er noch länger bleiben wollte, nur einige Wochen auf, da er von König Max II. zurückgerufen wurde und den Auftrag erhielt, mit der Ausführung neuer Anlagen zu beginnen, insbesondere an der in Feldafing nach Lennés Plan begonnenen Anla­ge weiter zu arbeiten.

Der Höchstselige König Max II. hatte schon in den fünfziger Jahren sich mit dem Plane getragen, die Isar-Anhöhe zwischen Bogenhausen und dem heutigen Athenä­um in eine Promenade zu verwandeln, und wenn man denkt, dass diese Flächen vor 30 Jahren noch so aussahen wie ungefähr die Berge zwischen Gasteig und Harla­ching, so wird man heute noch dem kunstsinnigen Monarchen Dank wissen für die­se grossartigen Schöpfungen, die er aus höchst eigenen Mitteln hersteilen liess. Die Gasteiganlagen bilden – ich sage nicht zu viel – einen grosen Schmuck für die Hauptstadt; verbinden sie einerseits den englischen Garten mit einer Anlage, so ist anderseits das Panorama, das die Gasteiganlagen uns bieten, durch die geschickte Verteilung von Hügel und Weg ein zu jeder Jahreszeit prachtvolles Bild. Wie schon oben erwähnt, war der erste Entwurf zu dieser Anlage von Lenné gegeben; allein Effner, der das Glück hatte, von Beginn an mit dieser Aufgabe betraut zu werden, musste einen anderen Entwurf hiefür bearbeiten, da er sich nach den gegebenen Verhältnissen zu richten hatte und manche Aenderung infolge des grossen Baues des königlichen Athenäums u. s. w. eintreten musste. Alle Fachgenossen des In- und Auslandes, haben die k. Gasteig-Anlagen in Wort und Schrift gerühmt und die­selben als eine herrliche Schöpfung geschildert.

Wenn wir auch zugeben müssen, dass die Oertlichkeit der königlichen Gasteiganla­gen eine höchts vorteilhafte ist und das Panorama der herrlichen Königsstadt einen grossen Reiz verleiht, so wird es wohl keinem Besucher entgangen sein, dass Effner es verstanden, den landschaftlichen Reiz durch geschickte Anbringung von Wegen, durch Verdeckung dieses oder jenes Gegenstandes, durch Versenkungen und schö­ne Hügelbewegungen, namentlich aber durch die Wahl der zu verwendenden Bäu­me und Sträucher auf das glänzendste zu erhöhen. Darin war v. Effner wirklich gross zu nennen; er verstand es, das ihm gebotene Material aufs vorteilhafteste zu verwenden und alles in sein Bereich zu ziehen, was annähernd zur Verschönerung und Belebung beitragen konnte!

Er arbeitete zu gleicher Zeit an der Ausführung der k. Park-Anlagen in Feldafing, die einerseits an das Lustschloss Garatshausen und anderseits an den herzoglichen Park in Possenhofen grenzen sollten. Wie sehr ihm diese Anlage am Herzen lag, be­weisen seine Tagebücher zur Genüge. Dieser königliche Park, welcher einen Flä­chenraum von über 400 Tagwerk hat, war im Spätherbste 1863 so weit vollendet, dass nur die Anlagen um das Schloss, womit nunmehr begonnen werden sollte, üb­rig blieben. Infolge des im Jahre 1864 erfolgten Ablebens des Königs unterblieb der bereits begonnene Bau des Schlosses, allein die Anlagen werden bis heute in musterhafter Weise gepflegt und unterhalten.

Wenn wir oben die günstige Oertlichkeit der Gasteiganlagen hervorgehoben ha­ben, so wäre wohl das gleiche vom Starnbergersee zu sagen; denn derselbe bietet infolge des riesigen Gebirgspanoramas, der Wasserfläche, der Quellen Vorteile, wie sie ein Landschaftsgärtner wohl nicht besser finden kann. Allein bei alledem möchten wir jeden Beschauer dieser königlichen Anlagen Schritt für Schritt durch dieselben führen, wir möchten ihn aufmerksam machen, wie v. Effner es verstanden hat, dieses oder jenes Bild in seine Landschaft hereinzuziehen, wie er es verstand, diese oder jene Fläche täuschend gross oder klein zu machen, mit der Wahl der Bäume umzugehen, wie er gerade auf das Kolorit der Pflanzungen ein Hauptau­genmerk wendete. Gleichviel zu welcher Tageszeit man diese Anlagen besucht, man wird sich jederzeit überzeugen können, mit welcher Bedachtsamkeit, mit welch tiefem Wissen dieser königliche Park angelegt ist. Er wusste dort, wo wenig Wasser war, eine Schlucht zu bewerkstelligen, er verstand es, Wegverbindungen, Verkleidungen, Einbuchtungen, kurz alles in so harmonischer Weise herzustellen, wie wenige – sagen wir – vor ihm. Von den vielen Leistungen v. Effners werden ihm die Feldafinger-Anlagen zu allen Zeiten als ein Meisterwerk angerechnet werden; sie werden immer, da wohl anzunehmen ist, dass man für ihre Unterhaltung sorgen wird, als eine Sehenswürdigkeit betrachtet werden.

Karl von Effner wurde infolge der Allerhöchsten Anerkennung seiner Leistungen schon im Jahre 1857, zur Zeit als man mit den königlichen Gasteiganlagen in voll­ster Arbeit war, an seinem Namenstage zum königlichen Hofgärtner ernannt; im Jahre 1860 wurde er Substitut des königlichen Oberhofgärtners, seines Vaters. Im Jahre 1868 wurde er zum Oberhofgärtner ernannt, und von da an begann seine di­rekte Wirksamkeit als Direktor der kgl. Hofgärten in Bayern, 1870 erhielt er den Ti­tel »k. Hofgärten-Inspektor« und 1873 den Titel eines »königlichen Hofgärtendirek­tors«. Mit der Anlage der neuen Maximiliansstrasse im Jahre 1857 ward v. Effner der Auftrag gegeben, eine Gartenanlage im sogenannten Forum herzustellen, die wohl heute und für immer zum Schmuck der Hauptstadt dienen wird. Zur damali­gen Zeit beabsichtigte v. Effner mehrere Pflanzungen mit immergrünen Gewächsen vorzunehmen, wie er sie auf seinen Reisen da und dort selbst in rauheren Gegen­den getroffen hatte, so namentlich mit Rhododendron und einigen Koniferen, wel­che er durch künstliche Bedeckung mehr oder minder zu schützen hoffte; allein der Witterungswechsel in München ist derartig gross, dass sein Projekt in dieser Bezie­hung scheiterte. Er sprach in späteren Jahren oft seinen Unmut aus, dass die Maxi­miliansstrasse mit Berücksichtigung der Baumpflanzungen, welche vom König ganz besonders gewünscht wurden, zu schmal angelegt sei.

Bei dem grosen Verkehr, den die Strasse in letzter Zeit gefunden hat, ist seine An­schauung leider nur zu richtig, und die Gefahr liegt nahe, dass die Platanen, welche v. Effner als Allee zuerst hier eingeführt hat – vorher waren sie nur sporadisch zu se­hen – wohl keine grosse Zukunft mehr haben dürften.

Als nun im Jahre 1858 die Bayerische Gartenbaugesellschaft unter dem Vorsitze des Geheimrates von Martius gegründet wurde, war Karl v. Effner einer der ersten, der sich daran beteiligte. Er gewann für die Bestrebungen des Gartenbaues, na­mentlich für die Hebung des Gartenbaues der engeren Heimat, so warmes Interes­se, dass er sich diesem Unternehmen mit einer wahren Begeisterung hingab. Marti­us schrieb ihm einmal: »Man kann für sein Fach nicht begeisterter sein als Sie es sind, mein lieber Effner.« Mit diesen Worten ist mit Recht und Wahrheit alles ge­schildert.

Sollte ich nun, nachdem einmal von der Thätigkeit Effners für die Gartenbaugesell­schaft die Rede ist, nicht gleich fortfahren, um zu beweisen, wie sehr er bis zum Ende seines Lebens um die Hebung dieses wichtigen Landeskulturzweiges bemüht war? v. Effner war bei allen Versammlungen, bei allen Besprechungen im grossen wie im kleinen die Seele der Gesellschaft. Er war die Seele schon zur Zeit, als er als erster Schriftführer wirkte und war es um so mehr, als er zum zweiten Vorstand der Gesellschaft, welche Stelle er 23 Jahre bekleidete, erwählt wurde. Wie sehr haben nicht unsere Ausstellungen, Blumen- wie Obstaustellungen, durch ihn gewonnen! Welche Mannigfaltigkeit, welchen Stilreichtum, welche Ueberraschungen haben uns seine Ausstellungen nicht gebracht! Wie war er bemüht, den Mitgliedern Neues zu bieten, dieser oder jener neuen Pflanze, dieser oder jener Frucht, diesem oder je­nem Gemüse, das er für wertvoll hielt, Eingang und Verbreitung zu verschaffen!

Die verschiedenen Preisrichter, die aus Nah und Fern zur Zeit der Blumenausstel­lungen nach München kamen, haben über Effners Leistung, namentlich über das Arrangement, nicht genug Lob spenden können. Sie waren zuweilen so begeistert, dass sie ihre Zufriedenheit und Freude zu Protokoll legten; man kann wohl sagen, dass diese Blumenausstellungen der »Bayerischen Gartenbaugesellschaft« einen – gering gesprochen – grossen Ruf verschafft haben. Wie viele neue Gärten sind in und um München durch ihn geplant worden und auch zur Ausführung gekommen! Wie sehr hat sich bei Hoch und Nieder die Liebe zur Pflanzenwelt vermehrt! Seine Thätigkeit war keine einseitige, so etwas war ihm nicht eigen. Denn, wenn er sich zunächst auch als Landschäftsgärtner betrachtete, so blieb er bei der Liebe zum Fache, bei der Liehe zu allem Nützlichen keinem Kulturzweige fremd.

Wie thätig war er für den Obstbau und namentlich für den heimischen; er veran­staltete grössere Ausstellungen, berief Kommissionen, machte auf diese oder jene Obstsorte aufmerksam, welche für diese Oertlichkeit sich eigne oder nicht, und da er gerade auf den Wert der Sorte grosses Gewicht legte, so kam er schon im Jahre 1862 auf den glücklichen Gedanken, eine Obstbaustatistik anzulegen, wohl die ers­te, die je gemacht wurde. Es liegen darüber eine Menge Notizen aus dem ganzen Lande vor, man darf sagen, ein wertvolles Material, zu dessen Ausarbeitung er aber in dem Gedränge der Geschäfte und der Menge der Aufgaben, die man an ihn und die er sich selbst oft stellte, leider nicht kam. Und da anderen nicht Gelegenheit gegeben war, in die Sache einen Einblick zu thun, so ruhten diese statistischen No­tizen bis zum heutigen Tage. Es ist möglich, dass sich der Berichterstatter, nach­dem er in den Besitz dieser Notizen gekommen ist, in nächster Zeit darüber ma­chen wird, um der Bayerischen Gartenbau-Gesellschaft noch diese letzte, nicht minder wichtige Erinnerung an Effner auszuarbeiten.

Wie schon oben gesagt, war v. Effner für die ganze Gartenkunde eifrigst bemüht. Ihm genügten nicht die traditionellen Frühjahrsausstellungen, oder die Obstaus­stellungen, deren er mehrere veranstaltet hat, ihm lag daran, auch zur Sommerszeit den Mitgliedern der Bayerischen Gartenbau-Gesellschaft und den Bewohnern der Hauptstadt die Produkte und Leistungen der Pflanzenzüchter zu zeigen. Auf seine Veranlassung fanden Ausstellungen von abgeschnittenen Blumen statt, namentlich von Rosen, seiner Lieblingsblume; er regte auch die Verlosungen von Blumen bei den Monatsversammlungen an, wobei er immer bedacht war, nicht etwa nur Blu­men, sondern auch schöne Blattgewächse, namentlich Palmen oder Früchte und nicht selten sogar Obstbäume zur Verlosung zu bringen.

Wenn er als Landschaftsgärtner die Obstbäume nicht zur Verwendung empfahl, so war er, wie vorher bemerkt, doch dem Obstbau nicht abgeneigt. Die Gründung von Obstgärten und Baumschulen, die Verteilung von richtigen Obstsorten, die Ge­legenheit, dass junge Gärtner sich im Baumschnitt üben, kurz die ganze Obstbau­kunde zu heben, hielt er für eine grosse Aufgabe. Er fehlte bei keiner grösseren Obstausstellung und wie sehr sein Wissen auch in diesem Zweige in ganz Deutsch­land Anerkennung gefunden hat, ergibt sich daraus, dass ihn der »Deutsche Pomo­logische Verein« zu seinem zweiten Vorstand wählte; denn er besass in der That eine seltene Obstsortenkenntnis, und liebte überdiess den Obstgenuss ausseror­dentlich. Die älteren Mitglieder der Gartenbau-Gesellschaft werden sich noch an die ersten drei Jahresberichte erinnern, die er herausgegeben hat, ebenso an die Berichte über die Öbstausstellungen, die gleichfalls sein Werk sind. Wir alle wissen, dass er bei jeder Gelegenheit, bei allen Versammlungen anregend und ermutigend wirkte, und es ist nicht zu viel gesagt, wenn wir behaupten, dass der gesamte Gar­tenbau und namentlich die Bayerische Gartenbau-Gesellschaft dem seligen Effner grossen Dank schuldet.

Zum öfteren ist noch aus seinen Notizen zu ersehen, wie er für die Bayerische Gar­tenbau-Gesellschaft bedacht war, da und dort finden wir eine Bemerkung über die­se oder jene Leistung oder Pflanze, wobei es dann immer heisst: »Ein geeigneter Gegenstand für die Winterbesprechungen der Bayerischen Gartenbau-Gesell­schaft.« Er wusste das Mannigfaltige mit dem Nützlichen zu verbinden. Und wenn er da und dort für die Einführung der Blumen thätig war, so legte er auf die Ver­breitung empfehlenswerter Gemüse nicht minder grossen Wert. Auf seine Veran­lassung fanden bei den Monatsversammlungen der Bayerischen Gartenbau-Gesell­schaft zum öfteren Einsendungen aus den kgl. Hofgärten von Blumen, Früchten und Gemüsen statt, die nicht wenig zum Interesse und zur allgemeinen Belehrung beigetragen haben. Diess alles beweist wohl, dass v. Effner ein um die gemeinsame Sache hochverdienter Mann war und dass die Bayerische Gartenbau-Gesellschaft in ihm einen Beförderer und Beschützer besass.

Wir dürfen die Thätigkeitsberichte, wir dürfen das Leben und Wirken von Garten­bau-Vorständen im In- und Auslande prüfen, und es dürfte schwer werden, eine so thatenreiche, für die Gesellschaft unermüdliche Kraft zu finden, wie v. Kffner es war. Und wenn ab und zu im Eifer des Gefechtes seine Eigenheiten hervortraten, die im allgemeinen Leben so häufig zu beklagen sind, und er manchmal eine gewis­se Härte an den Tag legte, so ist wohl in seinem schweren Leiden, welches schon seit Jahren nach Angabe der Aerzte im Stillen keimte und auch seinen Tod zur Fol­ge hatte, die Ursache seiner oft pessimistischen Anschauung zu suchen, womit er übrigens, was wir nicht übersehen wollen, sich selbst am meisten trübe Stunden verursachte. Die kleinsten Widerwärtigkeiten brachten ihn in eine trübe Stimmung, daher er sich mitunter Dornen auf seine eigene Bahn streute.

Wir dürfen hier nicht unterlassen, eines weitern Beleges dafür zu gedenken, wie sehr ihm die Gartenbau-Gesellschaft am Herzen lag; denn noch dreissig Stunden vor seinem Tode Hess er S. Excellenz den Herrn Baron von Pfeufer, bitten, ihn zu besuchen. Er vermochte nichts weiter mehr zu sagen, als: »Ich danke.« Dieser Dank erstreckte sich auf den ersten Herrn Vorstand, weil er in ihm mit Recht einen eifri­gen Beschützer und Beförderer der Bestrebungen des gesamten Gartenbaues sah.

Weitere Leistungen, wie die kgl. Lustgärten zu Linderhof und Berg, die Roseninsel und dann in neuester Zeit die Anlagen auf der Herreninsel im Chiemsee, nahmen Effners Thätigkeit sehr in Anspruch. Doch bei allem diesem erstreckte sich seine Thätigkeit noch weiter. Eine Menge von kleineren und grösseren Gärten, unter de­nen insbesondere der herrliche Hofgarten des Fürsten Taxis und der Garten des Grafen Dernberg zu nennen wären, wurden nach seinen Plänen ausgeführt und wie sehr sein Ruhm ins Ausland gedrungen war, beweist wohl der Umstand, dass ihn die Städte Basel und Zürich rufen liessen, um Parkanlagen zu entwerfen und die Ausführung zu übernehmen. Ebenso führte er ein paar grosse Gärten in Brüssel und bei Paris aus und die Menge von Notizen und Plänen, die sich in seinem Rück­lasse vorfinden, beweisen eine Thätigkeit seltener Art.

Im Anschlusse an die schon genannten Leistungen haben wir noch nachzutragen, dass nach Effners Plan die Anlagen um die kgl. Residenz in den siebziger Jahren ausgeführt wurden. Welche Schmückung dadurch unser herrliches Königsschloss erhalten hat, ist so allbekannt, dass wir uns nicht weiter dabei aufhalten wollen. Zu Anfang der sechziger Jahre wurde durch die Munifizenz des Königs Ludwig I. das Parterre zu Schleissheim im Rokokostile ausgeführt. Auch hier ist wiederum zu se­hen, wie sehr Effner allen Verhältnissen Rechnung zu tragen wusste und wie stren­ge er für Reinhaltung eines Stils war. Der Schleissheimer Garten hat dadurch gros­sen Ruf errungen und wird allenthalben als Muster aufgestellt.

Es ist wohl noch in aller Gedächtnis, wie thätig und eingreifend v. Effner für die Schmückung der Landesausstellung in Nürnberg mitwirkte. Auf seine Veranlassung hat sich nicht nur die Bayerische Gartenbau-Gesellschaft, sondern es haben sich auch alle andern Fachvereine des Landes beteiligt; und dass diese Landesausstel­lung durch den Pflanzenschmuck eine wesentliche Verschönerung erhalten und hie­durch bekanntlich einen grossen Anziehungspunkt gebildet hat, ist allgemein aner­kannt worden. Hiebei darf nicht ausser acht gelassen werden, dass alle Landesfach­vereine ihre gemeinsame Thätigkeit anzubringen Gelegenheit hatten. Auch die bei dieser Gelegenheit mitverbundene Obstausstellung geschah auf seine Anregung, und diess mit grossen Schwierigkeiten.

Der Nürnberger Gartenbauverein sah sich infolge der grossen Thätigkeit v. Effners in der Lage, ihn zum Zeichen seines Dankes zum Ehrenmitgliede des Vereins zu er­nennen. Dass Effner bei seinen vielen Anlagen Gelegenheit hatte, junge, tüchtige Schüler heranzubilden, dürfen wir um so weniger übergehen, als gerade durch ihn eine Reihe von jungen Männern im In- und Auslande Stellung fand. Auf seine Veran­lassung wurde auch für die jungen Gärtner der Zeichnungsunterricht eingeführt, es wurden sogar vor einigen Jahren auch Stunden in andern Fächern, als: die Lehre über den Baumschnitt, die Pflanzenpflege etc. erteilt.

Unter seinen hervorragenden Leistungen der letzten Jahre ist wohl noch die Anla­ge auf dem Maximiliansplatze zu nennen, wo er bemüht war, nebst den glücklich durchgeführten Terrain-Bewegungen und gewählten Bäumen und Sträuchern ganz besonders die Plastik in Verwendung zu bringen; es sollten ausser den projektier­ten Monumenten ein Tempel, ferner zwei grosse Fontänen nach Gedon und Wag­müllers Entwürfen zur Ausführung kommen; er ahnte hiebei wohl nicht, dass hier auch eines Tages ein Plätzchen gefunden werden sollte, um ihm in Anerkennung seines Schaffens ein bleibendes Denkmal zu errichten.

Wie manches Schloss, wie manche Villa, oder wie manches Stadthaus erhielt durch ihn einen bleibenden Schmuck, und da er nicht darauf allein schaute, durch hüb­sche Formen Rasen und Blumenbeete herzustellen, sondern sein Hauptaugenmerk auf die Mannigfaltigkeit der gewählten Bäume und Sträucher ging, so ist die Erin­nerung an sein Wirken als eine doppelt wichtige anzusehen. Wie wir schon oben bemerkt haben, war ihm von Grund aus daran gelegen, nichts Alltägliches zu bieten, denn Hindernisse kannte er nicht, er scheute keine Mühe und keine Kosten.

So recht bezeichnend für ihn ist die Bemerkung des berühmten Phrenologen Sche­ve, mit dem er einmal in Dresden zu Tische sass und an den er am Schlusse der Mahlzeit die Frage stellte, welchem Stande er angehöre; dieser antwortete: »Kauf­mann sind Sie keiner, aber ich halte Sie für einen Aesthetiker.« Und in der That war sein Schönheitssinn der Art ausgebildet und dessbalb auch derart anerkannt, dass er selbst in nicht fachlichen Gegenständen häufig zu Rate gezogen wurde.

v. Effner hatte in der letzteren Zeit öfters Gelegenheit, grössere Reisen nach Itali­en, Russland, Holland und Frankreich zu machen. Diess geschah, teils weil er als Preisrichter gerufen wurde, teils um Neuerungen zu besichtigen, zu prüfen und in Verwertung zu bringen; denn er war unermüdlich in seinem Fache.

Wollten wir nun auch noch seiner schriftlichen Werke, Fragmente und Reiseberichte Erwähnung thun, so wüssten wir noch vieles zu berichten; denn, wenn er auch in den letzten Jahren weniger in seinem Tagebuch arbeitete, so war er dafür um so thätiger in früherer Zeit. Es ist interessant, ihm zu folgen; die Eindrücke, über die­sen oder jenen Garten, über diesen oder jenen Bau, über Bildergalerien in verschie­denen Museen, über plastische Monumente zu lesen. Nichts ist ausgeschlossen; al­les, was ihm von Wert schien, wurde notiert. Er beschränkte sich nicht auf fachliche Mitteilungen; nicht auf einfache Besichtigung dieser oder jener Pflanze, sondern er fügte nicht selten die Notiz bei, dass diese Pflanze geeignet sei für diesen oder je­nen Garten, oder ein andermal lesen wir: Dieser Strauch oder dieser Baum erzeugt eine ungleich grössere Wirkung, wenn er im Schatten gepflanzt wird, etc. Und nicht selten stellte er an die Besitzer von Pflanzen die Frage: »Wie kommt es, dass diese Pflanze hier so gut gedeiht, welche Bodenverhältnisse und welche Behandlung ver­langt sie?«

Eine grosse Menge von Citaten beweisen uns seine grosse Umsicht, seine Liebe und Anhänglichkeit zum Fache, und da wir einmal von seiner Anhänglichkeit spre­chen , dürfen wir wohl auch sein Privatleben insoferne berühren, als es rührend ist, zu lesen, wenn er in seinen Tagebüchern in der Fremde von den Erinnerungen an seine Eltern, namentlich an seine Mutter, die ihm über alles ging, spricht, wenn er von seiner Heimat, seinen Verwandten redet. Oft schrieb er seine Freude nieder, wenn er von seiner Mutter einen Brief erhielt, gar oft bringt er seine Zärtlichkeit und Anhänglichkeit zum Ausdruck. Ohne Zweifel ist die schon früher gemachte Be­hauptung richtig, dass durch den Tod seiner Mutter, der vor ungefähr sieben Jahren erfolgt ist, ein Riss in seinem Leben entstand; denn er liebte und verehrte sie, wie man es leider nicht alle Tage sieht.

So recht bezeichnend ist für ihn die folgende Notiz, welche er am 10. März 1864 in Aschaffenburg in sein Tagebuch schrieb: »Die Schreckensnachricht von dem Tode des Königs traf mich Nachmittags 4 Uhr; ich wollte meinen Ohren nicht trauen. – Um 11 Uhr 50 Minuten starb mein königlicher Schutzherr, mein Wohlthäter, dem ich Kenntnisse und Wirkungskreis, Glück und Brot, Alles danke! Was hätte ich nicht ge­geben, ihm das Leben zu erhalten!! Guter Mann! sein Andenken will ich ehren, so lange ich athme. Und ich kann es mit ruhigem Gewissen, ich habe ihm treu und red­lich gedient, wie ich mir selbst nur hätte dienen können. Ich habe für ihn gespart, für ihn manches Ungemach erduldet – aber, wie viel mehr Wohlwollen habe ich von ihm erfahren. Gott lohne diese Gnade, Gott vergelte das Gute, das er mir gethan!«

Wollen wir zum Schlusse sein gesamtes Wirken charakterisieren, so müssen wir sa­gen, dass sich bei seinen Anlagen Bild hinter Bild schiebt, und jeder neue Schritt, jede neue Wendung, die der Beschauer macht, gibt ihm eine neue und andere An­sicht; Stimmung, Beleuchtung, Licht und Schatten wechseln unausgesetzt den gan­zen Tag je nach dem Stande der Sonne, je nach der Klarheit und Trübung des Him­mels. Er verstand es, wie wenige, mit einem fertigen Schlosse oder einer bestehen­den Villa bei seinem Plan mit den Grundlinien derselben in Harmonie zu treten und ein einheitliches, dem Stile angemessenes Bild zu entwerfen.

Sehen wir nur, wie geschickt er das lichte Gelbgrün mit dem dunkelsten Schwarz­grün der Steineichen und Erlen u. s. w. zu verwenden wusste.

Der Landschafts-Gärtner hat mit den verschiedensten Tönen und Tinten zu arbei­ten, deren Erscheinungen noch durch die Oberfläche der Blätter, ob glatt, glän­zend, rauh und matt, sehr verändert werden, und dass er diess verstand, hievon können wir uns allenthalben überzeugen.

Der Landschafts-Gärtner kann seine Farben nicht wie der Maler auf der Palette mi­schen, seine Aufgabe erstreckt sich auf Farbe, Wirkung, Wachstum, Höhe, die je­weilige Veränderung der Pflanze, er muss wissen, welche Bedeutung hat dieselbe für das Frühjahr, welche für den Herbst; da ist ihm zu thun, die Blüten der Sträucher zu verwerten, desgleichen die Früchte; in dem einen Falle sieht er sich genötigt, ei­nen Baum oder einen Strauch mit immergrüner Belaubung zu wählen, in dem an­dern Falle das Gegenteil.

Der Gärtner, der nicht bewandert ist – und das ist keine so leichte Aufgabe – mit dem Wachstum der Bäume und Sträucher, der nicht im voraus weiss, wie der Baum oder der Strauch in 10 oder 20 Jahren sein wird, dessen Leistungen werden für die Gegenwart vielleicht das Auge erfreuen, aber für die Zukunft niemals die Anerken­nung erzielen.

Eines noch darf hier wohl auch nicht unterschätzt werden: Der Gärtner ist in der schwierigen Lage, sich nicht sogleich fertig hinstellen zu können, denn er muss jung pflanzen und das Werden und Gedeihen der Natur überlassen, die seine Berech­nungen sicherlich täuschen wird, wenn er mit den Prinzipien der Landschafts-Gärt­nerei nicht betraut ist.

Dass der Verlebte diess verstand, hierüber sprechen die Thaten, hierüber sprechen die höchst günstigen Beurteilungen des In- und Auslandes.

Wir dürfen nun nicht unbemerkt lassen, dass v. Effners Wirken und Schaffen allge­meine Anerkennung gefunden hat! Er wurde von seinem Monarchen schon vor ca. 10 Jahren mit dem Kronorden ausgezeichnet, aber auch viele ausländische Aus­zeichnungen und Ehrenbezeugungen wurden ihm ob seiner Verdienste zu teil. Er genoss den Ruf als einer der ersten Landschaftsgärtner und wurde allenthalben als einer der bedeutendsten Pioniere für die Hebung und Beförderung der Garten­kunst angesehen! Die Achtung seiner Zeitgenossen reicht über sein Grab hinaus.

Und so schliessen wir mit dem Ausrufe:

O wie mancher Freund der Natur wird nach vielen Jahren noch, wenn er in Effners Gärten neue Lebenskräfte gesammelt hat und am Abend sanft gerührt zurück­kehrt, in der Stille sagen:
Ewiger Friede diesem Manne!

M. K.

Max Kolb: Dr. Neubert’s Deutsches Garten-Magazin. XXXVIII. Jahrgang. Neue Folge: Illustrierte Mo­natshefte für die Gesamt-Interessen des Gartenbaues. München. Vierter Jahrgang. Stuttgart, 1885.


13-01-34 (Effner)