Die Monogrammisten (1863) / t_719

Johann Jakob von Dorner, Landschaftsmaler, geboren zu München 1775, gest. da­selbst 1852. Sohn des zu seiner Zeit als Historien- und Genremaler berühmten Ja­kob Dorner, wählte er die Kunst aus Neigung zu seinem Lebensberufe. Seine ers­ten Vorbilder waren die in München vorhandenen Gemälde von Claude Lorrain und Carel Dujardin, und diesen Meistern wendete er fortan seine ganze Liebe zu. Dor­ner gehört aber nicht zu den sklavischen Nachahmern. Die reichste Fundgrube bot ihm die Natur im bayerischen Oberlande mit seinen herrlichen Wäldern und seiner üppigen Vegetation, welche er in seinen Gemälden mit aller Frische und in vollkom­mener Treue wiedergab. Dorner und Wagenbauer behaupteten nicht nur in Mün­chen eine Reihe von Jahren das Feld, sondern erwarben sich mit ihren Werken auch im Auslande Ruf. Beide zogen sich selbst ihre Grenzen, und keiner durfte es wa­gen, ohne Eifersucht des anderen dieselben zu überschreiten. Dorner war der Ma­ler des Waldes und der Wasserfälle, Wagenbauer jener der fetten Triften und Wei­den des Viehes, und wenn ersterer zuweilen einen Ochsen oder eine Kuh auf sei­nen Gründen weiden liess, so beklagte sich Wagenbauer bitter, dass er ihm das Vieh wegnehme, statt mit den Bäumen und Holzhauern sich zu begnügen, die ihm überlassen bleiben sollten. Das Kleeblatt machte damals in München Simon Waren­berger voll, auf welchen aber beide eifersüchtig waren, da er Bäume, Figuren und Thiere malte, und nach ihrer Ansicht jeden beeinträchtigte.

Endlich änderten sich die Zeiten; von allen Seiten strömten Künstler herbei, und die Koryphäen der alten Münchner Schule wurden in den Hintergrund gedrängt. Dor­ner besitzt aber in jeder Hinsicht grosse Verdienste, welche auch jetzt noch aner­kannt werden müssen. Wenige Künstler haben schönere Bäume gemalt, als er. Auch das Wasser und die Vegetation ist trefflich behandelt, und wenn er in der Staffage von Figuren und Thieren den Wagenbauer und Warenberger gerade nicht übertrifft, so steht er ihnen jedenfalls ebenbürtig zur Seite. Seine schönsten Bilder datiren bis 1818. Jetzt unterbrach ein Uebel am rechten Auge seine Thätigkeit, welches aber 1821 durch eine glückliche Operation gehoben wurde. Dorner griff wieder zur Palette, konnte sie aber nicht mehr so rein zusammenhalten, wie früher.

Die Gemälde aus dieser späteren Zeit haben zwar noch die Vorzüge einer genauen Zeichnung der Naturformen, sie entbehren aber jener Klarheit und Wärme der Fär­bung, welche seine früheren Werke so anziehend macht. Auch geht das Colorit in’s Grünliche und Bläuliche über, da das Auge die warmen und frischen Töne, welche in den Bildern der Blüthezeit des Künstlers herrschen, nicht mehr genau erfassen konnte. Dorner setzte aber seine künstlerische Thätigkeit mit rastlosem Eifer bis zum Jahre 1843 fort, als ihm plötzlich ein Schlagfluss die ganze linke Seite lähmte. Durch diesen Unglücksfall ward er zwar seinem Wirkungskreise als k. Gallerie-In­spektor entrückt, dem Drange des Schaffens konnte aber der Künstler noch nicht widerstehen. Er malte noch mehrere Bilder in Oel und Aquarell, und brachte deren zu den öffentlichen Ausstellungen. Man kann sie aber nur mehr als Versuche eines guten Zeichners in Farben ohne Harmonie betrachten. Es zieht sich ein unruhiger, gewöhnlich lichtblauer, und grüngreller Ton durch, welcher es bedauern lässt, dass eine so verständige, ja schöne Composition nicht besser gemalt ist. Diese Perioden müssen bei Dorner unterschieden werden, und jede zählt viele Bilder, sowohl in Oel, als in Aquarell. Auch lithographirte und radirte Blätter findet man von ihm. Die ersteren gehören grösstentheils zu den Incunabeln, sie sind aber als solche von Be­deutung, da man nur selten schönere Baumstudien aus jener Wiegenzeit der Litho­graphie findet. […] Die schöne Landschaft mit Wasserfall in der herzoglich Leuch­tenbergischen Gallerie hat J. Wölffle lithographirt, gr. fol. Die Ansicht im bayeri­schen Hochlande mit Wasserfall, welche sich in der k. bayerischen Pinakothek be­findet, ist im Galleriewerke von Piloty und Löhle lithographirt, gr. qu, fol. Auch Eckemann-Allesson hat zwei Landschaften lithographirt, gr. fol. Zwei Waldgegen­den mit Wasserfall in Tondruck machen Bestandtheile der Sammlung von Original-Handzeichnungen lebender bayerischer Künstler aus, fol.

Auch der Vater dieses Künstlers, Jakob Dorner, hat in Kupfer radirt, man muss also diese Blätter unterscheiden. Die Arbeiten des älteren Dorner fallen um 1774.

Dr. Georg Kaspar Nagler: Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künst­ler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben etc. bedient haben. München, 1863.


21-13-31 (Dorner & Drechsel-Deuffstetten)