Die Künstler aller Zeiten und Völker (1857) / t_1752

Eberhard, Konrad, ein sehr geachteter Bildhauer zu München, geb. 1768 zu Hinde­lang im Algau, erlernte die Kunst bei seinem Vater und führte schon in früher Ju­gend mit diesem und seinem Bruder Franz viele Andachtsbilder für Kirchen: Heili­ge, Schutzpatrone, Tabernakel aus, die alle einen ernsten, reinen, tiefreligiösen Sinn beurkundeten, ihm allgemeinen Beifall erwarben und im Jahr 1796 die Aufmerk­samkeit des letzten Kurfürsten von Trier und Fürstbischof von Augsburg, Clemens Wenzelaus, auf ihn lenkten, der das hervorragende Talent des jungen Mannes er­kannte und ihn in den Stand setzte, sich zu München der weiteren Vervollkomm­nung in seiner Kunst widmen zu können. Er blieb hier in der Werkstätte des Roman Boos bis ihn 1806 der Kronprinz Ludwig von Bayern nach Rom sandte, um dort nach den klassischen Werken der alten und neuern Kunst seine Ausbildung zu voll­enden. Hier entfaltete er, alle Hilfsmittel, die ihm die an Kunstschätzen so reiche ewige Stadt bot, benützend, eine ungemeine Thätigkeit. Er zeichnete, malte, mo­dellirte, arbeitete in Stein und legte durch seine von tiefer Frömmigkeit durchdrun­genen Werke, in denen es ihm gelang, die Anschauungsweise des frommen gläubi­ges Mittelalters mit den Fortschritten der technischen Ausführung der neueren Zeit auf das Anmuthigste und Wirksamste zu verbinden, den Grund zu einer neuen aufs christlich Religiöse gerichteten Kunstweise in der Sculptur, die später Overbeck und Andere in der Malerei mit so grossem Ruhme befolgten, obgleich es ihm kei­neswegs weder an Talent noch an Geist gebrach, auch der heidnischen Mythe ent­nommene Stoffe trefflich darzusteilen, wie seine in Rom ausgeführten Werke, die ihm bereits einen Platz unter den vorzüglichsten Künstlern seines Fachs einräum­ten, seine in carrarischen Marmor gearbeiteten lebensgrossen Statuen einer Muse mit dem Amor (jetzt in der Glyptothek zu München), eines sitzenden Fauns mit dem Bacchus und einer Leda mit dem Schwan (beide letzteren Gruppen im Kabi­netsgarten zu Nymphenburg) beweisen.

Im Jahr 1816 wurde Eberhard zum Professor an der Akademie der bildendes Küns­te zu München ernannt, erhielt jedoch schon 1820 wieder Erlaubniss zur Ausfüh­rung weiterer Arbeiten für den König eine zweite Reise nach Rom maohen zu dür­fen, woselbst er die herrliche Gruppe: Diana, von Amor zu Eudymion geführt (ebenfalls im Kabinetsgarten des Königs aufgestellt) und einen triumphirenden Amor im Jünglingsalter (im Antiquarium der königl. Residenz zu München) entstan­den. Dann führte er verschiedene Porträtbüsten für die Walhalla bei Regensburg aus, unter denen man besonders die des Malers M. Wohlgemuth, des bayerischen Staatsmannes und Gelehrten Hörwart, des russischen Feldmarschalls Grafen v. Mü­nich, des Erzgiessers Peter Vischer nennt. Ein Auftrag des Marchese Massimi, der neben den Fresken, welche Overbeck Schadow, Koch, Veith, Schnorr und Führich in seiner Villa ausführten, einen Saal mit plastischen Darstellungen aus Homer in halb erhabener Arbeit schmücken lassen wollte, kam leider wegen des Todes des Be­stellers nicht zu Stande. Nur einen Gesang in mehreren Compositionen hat Eber­hard in Alabaster ausgeführt und diese besitzt König Otto von Griechenland.

Nach München zurückgekehrt, bebaute er namentlich das Feld des Reliefs mit Dar­stellungen aus dem alten und neuen Testament, in denen er seine reiche Phantasie und sein frommes Gemüth frei walten lassen konnte und Gebilde von höohster An­muth und Holdseligkeit schuf. Mitten unter solchen Arbeiten und nachdem er 1825 die Aufgabe, das Grabmal der Prinzessin Karoline in der Theatinerkirche mit einem Relief zu schmücken auf’s Trefflichste gelöst hatte, erhielt er verschiedene Aufträge zu Sculpturen für öffentliche Monumente. So schmückte er das Portal der Allerheili­genkirche zu München, in der Lunette, mit einem Relief, Christus, als Weltheiland, vor dem Maria und Johannes anbetend knieen, darstellend (lith. von J. B. Müller), und daneben auf den Thürpfeilern mit den Statuen der Apostel Petrus und Paulus; den Haupteingang des Isarthors ebendaselbst zu beiden Seiten mit den Kolossal­statuen des Ritters St. Georg und des Erzengels Michael; die Portale des Blindenin­stituts mit den Statuen der Schutzheiligen der Blinden, den h. h. Benno und Raspo, und den h. h. Odilia und Lucia (beide letztere nach Eberhard’s Modellen von San­guinetti ausgeführt). Zu Eberhard’s weiteren Werken von Bedeutung gehören: die Denkmäler der Bischöfe Sailer und Wittmann im Regensburger Dom. Ausserdem fertigte er verschiedene Basreliefe in Alabaster zu Hausaltärchen mit Darstellungen aus dem neuen Testamente; namentlich aber stellte er auch mehrere sehr schöne Christus- und Madonnenbilder in Alabaster dar. In den letzteren Jahren beschäftig­te sich der Künstler häufiger mit Zeichnungen von ernsten religiössymbolischen Ge­genständen, in denen ihm positive Lehren der katholischen Kirche die Motive der Darstellungen an die Hand gaben, und von denen er früher schon manche als Oel­gemälde ansgeführt hatte. Auch kennt man Altäre von ihm, an denen sowohl die Malereien als auch die plastischen Arbeiten von seiner Hand herrühren.

In Eberhard’s früheren Arbeiten aus der griechischen Mythologie spricht uns na­mentlich der natürliche Sinn für Schönheit der Form, die lebendige Auffassung, Charakteristik und die Weichheit der Behandlung an. Seine religiösen Darstellun­gen athmen den Geist der deutsch-christlichen Kunst unserer alten Meister, sind aber rein und edel in Form und Zeichnung und ohne die technischen Mängel der damaligen Zeit. Seine Madonnen sind von höchst edler Bildung, voll hoher Anmuth und Demuth, in dem Ausdruck des Jesuskindes vereinigt sich Ernst mit lieblicher Heiterkeit und segnender Huld, und seine Engel sind allerliebste zarte Wesen, gross und schlank gewachsen als himmlische Boten. Alle seine Werke in dieser frommen Richtung tragen das Gepräge der holdesten Grazie, der seligsten Gefüh­le. In seinen Reliefe waltet eine fruchtbare Phantasie voll poetischer Gedanken; sie sind in Anordnung, Bewegung und Stellung innerhalb der Grenzen des plastischen Styls gehalten und bringen eine höchst angenehme Wirkung hervor. Seine Porträt­büsten zeichnen sich durch Aehnlichkeit und sorgliche Individualisirung aus.

Friedrich Müller: Die Künstler aller Zeiten und Völker. Stuttgart, 1857.


11-01-32 (Eberhard)