Die Deutschen Maler-Radirer (1877) / t_772

JOHANN FISCHBACH.

Er ist am 5. April 1797 auf dem Schlosse Grafenegg bei Krems in Unter-Oesterreich geboren, wo sein Vater, ein Westphale, die Stelle eines Haushofmeisters in der Gräflich Breuner’schen Familie bekleidete. Mit vier Jahren kam er nach Wien, wohin der Vater versetzt wurde. Hier zeigte er schon in frühester Jugend eine besondere Vorliebe und ein ausgesprochenes Talent für die bildende Kunst, welchem sich auch endlich der Vater, der ihn zum Handwerk bestimmt hatte, unterordnen und demsel­ben erlauben musste, die Akademie zu besuchen. In diese wurde er 1813 aufge­nommen und sein Hauptbestreben ging gleich dahin, neben der Antike auch die le­bende Natur zu studiren. Die freien Stunden wurden ausserdem anderen Wissen­schaften und dem Sprachstudium geweiht.

Im Jahre 1821 erhielt er für eine ideale Landschaft den ersten Preis. Da er auch das Bild verkauft hatte, so verwendete er den Erlös zu einer Studienreise in die Berge Steiermarks. Förderlich war für den jungen Künstler die Gunst, in welcher er bei seinen Vorgesetzten, besonders beim Akademie-Director J. Zauner und Professor Mössmer stand.

Graf Fries, der auf seinem Besitzthum in Plankenberg ein adeliges Erziehungsinsti­tut gestiftet hatte, übertrug daselbst unserem Künstler den Zeichenunterricht. Die­ser führte hier, in der herrlichen Gegend, ein idyllisches Leben. Hier fasste er auch den Entschluss, ein Künstlerlexikon herauszugeben und sammelte zu diesem Behu­fe reiches Material. Zwar wurde der Plan nie ausgeführt, aber die beim Ordnen des Materials gewonnenen Kenntnisse blieben nicht resultatlos; Fischbach erwarb sich neben der Sachkenntniss auch eine Routine im Ausdruck und in gefälliger Form, was ihn befähigte, später mit schriftstellerischen Arbeiten sich zu befassen und öf­fentlich aufzutreten.

Im Jahre 1825, nachdem er Plankenberg verlassen hatte, machte er eine Reise durch Süddeutschland und in die Schweiz und brachte im Geiste wie in der Mappe eine reiche Ausbeute heim. Darauf erhielt er die Directorstelle an der Graf Paar’schen berühmten Kupferstichsammlung. Die Nähe der holländischen Malerra­dirungen, besonders eines Berghem, Potter, deren Mappen er mit besonderer Vor­liebe studirte, blieben nicht ohne Einwirkung auf seinen schaffenden Geist, er griff zur Radirnadel, um seine fleissig ausgeführten Zeichnungen zu vervielfältigen und mit den Abdrücken seine Freunde zu erfreuen. Zu diesem Behufe machte er einge­hende Studien nach den Löwen in der Schönbrunner Menagerie, nach wel­chen die Blätter mit Löwen radirt wurden. Doch ruhte in dieser Zeit auch sein Pinsel nicht. In derselben Zeit entstanden zwei ideale Landschaften, die allgemein gelobt wurden. Die eine ist in den Besitz des Erzherzogs Max von Este gekommen, die an­dere befindet sich in der Lichtenstein-Gallerie.

Zunächst, um in seinen Landschaften selbst die Staffage malen zu können, versuchte er sich im Genre, das er später mit gleichem Glücke wie die Landschaft cultivirte.

Nachdem er sich seit 1837 einige Zeit im Salzkammergut und am Gmunden-See aufgehalten, siedelte er sich 1840 in Salzburg an, wo er sich bis 1851 aufhielt, wor­auf er sich in der Nähe des Parkes von Aigen ein schönes Landhaus erbaute. In Salzburg nahm er thätigen und eifrigen Antheil an der Gründung des Kunstvereins. Hier wie in der stillen Behausung seines Landsitzes entstanden zahlreiche Bilder, die ihm viele Verehrer gewannen. Es war eine glückliche Zeit für den Künstler, um so mehr, als auch sein Sohn August (geb. 1828) bereits als Genremaler in die Fuss­tapfen seines Vaters und Lehrers trat. Doch hatte diese glückliche Zeit einen trauri­gen Abschluss; sein Sohn starb plötzlich in München am Typhus im Jahre 1860. Die­ser Todesfall wirkte lähmend auf den Vater. Er verliess sein liebgewonnenes Land und zog nach München. Es dauerte lange, bis die Kunst und das Schaffen in ihr ihm einigen Trost brachte. Er führte als Zeichnungen zwei Folgen aus, die Bäume Deutschlands (28 Bl.) und Wanderungen eines Künstlers durch das Salzkammergut. Sie sind mit der Kohle ausgeführt; der zweite Cyklus erreichte die Zahl dreizehn. Beide Folgen werden durch die Photographie vervielfältigt werden. Der Künstler starb in München am 15. Juni 1871.

Im Jahre 1843 hatte ihn die Wiener k. k. Akademie zu ihrem ordentlichen Mitgliede ernannt.

Fischbach giebt in seinen Landschaften die Natur in wahren und doch gewählten Formen wieder. Die Alpennatur Salzburgs besonders ist so zu sagen sein geistiges Eigenthum geworden. In seinen Genrebildern bringt er gern Scenen aus dem Le­ben des Volkes, das in inniger Beziehung zu dem Lande steht, das er in so vielen Bildern verherrlichte. Ebenso wahr als ausdrucksvoll ist er in der Darstellung des Thierlebens. Das beweist besonders die Folge der Zuchtthiere, Typen österreichi­scher Zuchtthierracen, die er für das landwirtschaftliche Centralcomité zur Ausstel­lung radirte. Mit Ausnahme dieser Folge sind seine Radirungen nur zum Privatver­gnügen entstanden und nicht im Kunsthandel erschienen, weshalb auch selten. Sie bekunden einen tüchtigen Zeichner, der auch mit der Radirnadel auf einer kleinen Fläche einen künstlerischen Totaleffect hervorzuzaubern verstand.

Von seinen Gemälden wollen wir folgende hervorheben:
1821. Ideale Landschaft.
1830. Zwei ideale Landschaften. Im Text erwähnt.
1838. Die Wildschützen.
Ein Bauernknabe streitet mit einem Mädchen um einen Vogel (Belvedere). Rosen­lauigletscher in der Schweiz.
Die Wittwe auf dem Kirchhof.
1844. Bange Erwartung.
1845. Wiedergefundene Kinder.
Beide als Kunstvereinsbl. von Wölfle lithographirt.
Rastende Jäger (Gallerie Lichtenstein).
Die Wittwe (Belvedere).
Erzherzog Johann mit seinem Sohn im Gasteiner Gebirg (von Kriehuber und Wei­xelgärtner lithographirt).
Der hohe Göll (als Salzburger Kunstvereinsbl. 1848 lithographirt).
1851. Salzachthal und Watzmann (Cardinal Schwarzenberg in Prag).
1858. Untersberg im Vorfrühling (Münchner Pinakothek).

Ausserdem erschienen nach seinen Zeichnungen in Salzburg (Verlag von Baldi) 40 Bl. Malerische Ansichten von Salzburg und Oberösterreich, von Verschiedenen in Stahl gestochen.

Dr. phil. Andreas Andresen: Die Deutschen Maler-Radirer (Peintres-Graveurs) des neunzehnten Jahr­hunderts, nach ihren Leben und Werken. Leipzig, 1877.


32-03-30 (Fischbach)