Die bildende Kunst in München (1842) / t_963

Joseph Kirchmayer

ist geboren im Jahre 1773 zu Rockersin, einem Dorfe in Unterbayern, und der Sohn eines Bildschnitzers, der für Kirchen Heiligenbildnisse und sonstige Verzierungen an Altäre und Kanzeln fertigte. In dieser Kunst wurde denn auch Kirchmayer, der Sohn, früh geübt, und kam darauf in seinem siebzehnten Jahre zu einem Bildhauer nach Passau, und dann zu dem Maler Bergler in die Lehre, bei welchem er Unterricht im Zeichnen und Modelliren erhielt. Sein heiteres Wesen gewann ihm die Gunst des Fürstbischofes Leopold von Thun, der ihn auf einer Reise mit nach Wien nahm, daß er sich hier in seiner Kunst ausbilden möge. Während seines siebenjährigen Aufent­haltes daselbst führte er mehrere Büsten in Marmor und Erz aus, wurde mit dem bayerischen Gesandten, Freiherrn von Grafenreuth, und dem Herrn von Mieg be­kannt, welche durch ihre günstigen Berichte den König Maximilian Joseph veran­laßten, den Künstler nach Italien reisen zu lassen. Er besuchte Rom und Neapel, um die Antiken zu studiren und kehrte darauf in sein Vaterland, nach München, zurück, wo er sogleich vielfach beschäftigt wurde. Als seine vorzüglichsten und gelungens­ten Arbeiten erscheinen eine Menge Büsten, die er theils in Marmor, theils in Gyps nach dem Leben ausführte; für den König verfertigte er deren mehrere in die Wal­halla.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


MR-290 (Kirchmayer & Seibold)