Die bildende Kunst in München (1842) / t_783

Flüggen,

geboren zu Cöln 1811, besuchte dort zuerst das Gymnasium und nahm dann Un­terricht im Zeichnen, worauf er an die Akademie zu Düsseldorf ging, nachdem sein erster Versuch in der Oelmalerei gelungen war, 1835. Nach einem nur kurzen Auf­enthalte in jener Stadt begab er sich nach München, wo er bald, durch die An­schauung des regen, mannichfaltigen Kunstlebens geweckt, einige schöne Bilder vollendete. Zu den jüngsten und vorzüglichsten gehört: der unterbrochene Ehe­kontrakt, ein wahres charakteristisches Lebensbild. Der Beschauer wird in ein ge­räumiges, im Geschmacke des vorigen Jahrhunderts eingerichtetes Zimmer ver­setzt; die adelige Familie, im französischen steifen Kleiderprunke, ist mit den Zeu­gen und Schreibern zur Aufnahme des Ehevertrages versammelt: die schöne Braut mit der Mutter, der junge, elegante geputzte Bräutigam mit seinem stolzen Vater; Alles scheint in Richtigkeit: Da öffnet sich die Thüre und hereintritt ein schlichter Mann, bürgerlich gekleidet, mit seiner ihm schüchtern folgenden Tochter, deren verweinte Augen und bekümmertes Antlitz den inneren Schmerz offen darlegen. Welch Aufruhr erhebt sich unter den Versammelten, als der Mann die Briefe und das Bildniß des Bräutigams diesem vor die Füße wirft! Wie überrascht, empört ist der adelige Jüngling über das bürgerliche Betragen, wie wirft er mit verhaltenem Ingrimm den Kopf empor; wie vornehm stolz blickt sein Vater auf den Bürgers­mann. Wie erschrocken ist die Braut mit ihrer Mutter! Zug für Zug an den einzelnen Personen, die ganze Gruppirung ist höchst wahr, lebendig von entschiedener Wir­kung. – Tief ergreifend ist sein jüngstes Bild: der unglückliche Spieler.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


18-13-32 (Flüggen & Sonntag)