Die bildende Kunst in München (1842) / t_767

Franz Xaver Fernbach erfand durch langes sorgfältiges Prüfen und Ueben wirklich ein so richtiges Mischungsverhältniß der Farbenverbindungsmittel und eine so zweckmäßige Behandlung, daß diese Art Malerei auf den Wandflächen in so leuch­tenden Farbentönen in der mannigfaltigsten Abstufung selbst bis zu den zartesten landschaftlichen Fernen erscheint, daß man Oelbilder zu sehen glaubt.

Er ist zu Waldkirch in Baden geboren, beschäftigte sich dort mit dem Bemalen der Uhrzifferblätter, wie dieses häufig auf dem Schwarzwalde betrieben wird, und kam, nachdem er sich Einiges erspart hatte, nach München, wo er, obgleich unter drü­ckenden Verhältnissen, voll Liebe zur Kunst die Akademie besuchte, und, nachdem er gründliche Studien im Zeichnen und Malen gemacht, die Mosaikmalerei erfand.

Seine ersten Werke dieser Art, die im Jahre 1820 zur Ausstellung kamen, waren zwei Tischplatten, die das Ansehen von musivisch zusammengesetzten Steinplatten hatten, und den Beifall des Königs Maximilian erhielten. Der polytechnische Verein übergab dem Künstler seine silberne Medaille, der König aber setzte ihn durch den Ankauf der Platten und durch weitere Unterstützung in den Stand, seine Ausbil­dung an der Universität Landshut durch das, für seine besonderen Kunstzwecke nöthige Studium der Mineralogie, Chemie und Physik zu vollenden. Während er diesen Wissenschaften oblag, führte er im königlichen Auftrage einen großen Tisch in der Art der Florentiner-Mosaik, dann andere aus.

Nach seiner Rückkehr nach München wendete er sich auch der Porträtmalerei zu, und forschte später, als durch die großen Aufgaben des Königs Ludwig die Fresko­malerei in Bayern aufblühte, mit Eifer nach neuen Farben-Bindungsmitteln, die zur Förderung dieser Malerei beitragen und die Dauer derselben sichern könnten. Nach vielen Versuchen gelang es ihm wirklich, eine solche Mischung des auf die Wandflächen aufzutragenden und dann zu bemalenden Mörtels und eine solche glückliche Farbenleiter dafür herzustellen, mittelst welcher der Künstler nun seine Darstellung wie mit Oelfarben ausführt. Die Behandlung der Wandfläche zur Auf­nahme der Farben und die Bereitung dieser, und die Art der Einschmelzung des Gemäldes zur größeren Dauerhaftigkeit werden noch als Geheimniß bewahrt. Sie unterscheidet sich von der früher üblichen Freskomalerei durch die Menge der Far­bentöne, die Leichtigkeit der Uebermalung und Ausbesserung, welche auch später noch möglich ist. Sie wurde bei den neuesten Malereien, selbst in der landschaftli­chen Darstellung, angewendet; doch kann man im Allgemeinen wohl sagen, daß je­der Künstler auch eine ihm eigenthümliche Farbenmischung in der Freskomalerei anwende, wie sie seiner Ansicht und Erfahrung am besten erscheint. Bei der Aus­führung der vielen und großen königlichen Aufträge wendeten sich beinahe alle Professoren der Akademie dieser Darstellungsweise zu und gaben ihre epischen Dichtungen in lebendigen Freskobildern.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


12-01-17 (Fernbach & Mundschedl & Steurer)