Die bildende Kunst in München (1842) / t_729

Franz und Konrad Eberhard,

deren Vater und Großvater Bildhauer waren, sind im Allgau zu Hindelang geboren, (Konrad, der Jüngere, im Jahre 1768, 24. Nov) und begannen unter der Leitung des Vaters schon früh in Holz und Stein zu schnitzen und zu meißeln, meistentheils für Kirchen, einzelne Heiligenbilder oder gruppenreiche Darstellungen im Kleinen mit einer außerordentlichen Sorgfalt und Zierlichkeit und mit ächt religiösem Sinne in naiver Einfalt, die nicht nur aus ihren ersten Bildwerken, deren man viele in ihrer heimatlichen Gegend bei Privatpersonen trifft, sondern auch aus den Werken der gereiften Männer und Meister spricht. Diese tiefe und anmuthige Innigkeit ist ein Grundzug, der alle ihre Darstellungen auszeichnet und Jeden, der dafür Sinn hat, auf das Freundlichste anspricht; durch sie erscheint die Anschauungsweise des fromm gläubigen Mittelalters mit den Fortschritten in der technischen Ausführung der neueren Zeit auf das Anmuthigste und Wirksamste vereinigt und aus jedem Gebilde athmet der tiefe religiöse Geist, von dem sie selbst beseelt waren. Ihr Le­ben selbst war ein eng verbündetes brüderliches Streben nach künstlerischer und geistiger, ächt christlicher, Vollkommenheit.

Der letzte Kurfürst von Trier und Fürstbischof von Augsburg, Clemens Wenzelaus, der den Sommer über in Oberstorf wohnte und häufig nach Hindelang kam, ge­währte dem jüngeren Eberhard die Hülfsmittel, im Jahre 1798 die damalige Akade­mie in München zur weitern Bildung zu besuchen, wo er bei Roman Boos mehrere Jahre arbeitete, und dann im Dienste seines Gönners vielfach beschäftigt wurde. Seine eigentliche Kunst-Entwicklung begann aber erst, als er nach der Uebernahme des Bisthumes Augsburg von Bayern dem Könige Maximilian und dem Kronprinzen Ludwig bekannt wurde und er durch diesen unterstützt und mit manchen Aufträ­gen geehrt nach Rom reisen und dort die klassischen Gebilde studiren konnte.

Dort verfertigte er eine Muse mit dem Amor in karrarischem Marmor, die in der Glypthotek ausgestellt ist; mehrere Büsten für die Walhalla; einen Faun, eine ju­gendlich kräftige Gestalt in behaglicher Ruhe mit etwas vorgestrecktem rechten Beine auf einem Weinschlauche ruhend, auf dem linken zurückgezogenen Schenkel sitzt der kleine, mit Weinlaub bekränzte Bacchus, der ihn am Barte zupft; Leda, von ausgezeichneter frischer, reizender Schönheit, auf einem Steine sitzend, auf den sie ihre Rechte stützt, während die Linke sich an den Hals des an ihr mit leiser Flügel­bewegung empor gerichteten Schwanes schmiegt, der sehnsüchtig zu ihr empor schaut; Diana in vorschreitender Bewegung, in der Linken den Bogen, über dem Rücken den Köcher, im dünnen eng anschmiegenden Gewande, dessen fliegende Falten rückwärts sich vereinigen, wird an der Rechten von Amor zu Endymion ge­führt. Diese schönen Statuen aus karrarischem Marmor wurden im Kabinetsgarten zu Nymphenburg vor den Fenstern der Wohnung des Königs Maximilian aufge­stellt, wo sie sich noch befinden.

Im Jahre 1816 wurde Konrad zum Professor der Bildhauerkunst an der Akademie in München ernannt, in welchem Jahre er das Relief zu dem Grabmale der k. Prinzes­sin I. M. Karoline ausführte, das in der Theatinerkirche rechts im Seitenschiffe sich befindet: Zwei Engel lüpfen den Vorhang vor dem Ruhebette des sterbenden Kin­des, damit die Mutter, sich zu den Lippen der geliebten Tochter hinneigend, das letzte Lebewohl der scheidenden Seele zuhauche. Außer diesem führte er mehrere Reliefe aus mit Darstellungen aus dem alten oder neuen Testamente, Christus- und Madonnen-Büsten, so wie die von mehreren seiner Freunde; von ihm sind die Sta­tuen an der Vorderseite der Allerheiligen-Kirche, und die Statuen des Erzengels Mi­chaels (Gerechtigkeit) und des hl. Ritters Georg (Tapferkeit) aus Sandstein am Isar­thore zu München.

Von ihm sind auch die beiden Denkmale im Dom zu Regensburg für die Bischöfe Sailer und Wittmann im Auftrage des Königs Ludwig ausgeführt. Jenes besteht aus einer Gruppe von drei lebensgroßen, ganz ausgearbeiteten, Figuren. In der Mitte sitzt auf dem bischöflichen, im mitteldeutschen Style gearbeiteten, Stuhle der Ge­ehrte im Amtsschmucke, eine treue Bildnißstatue, das Haupt rechts emporgerich­tet zu dem Crucifixe, die Feder in der rechten Hand, in das ihm von einem Minis­tranten in kniender Stellung dargebotene offene Buch zu schreiben, während die Linke auf der Brust ruht. Von der anderen Seite naht ein zweiter Kirchendiener, nach dem Bischofe mit emporgewendeten Antlitz hinschauend, in der Rechten ein Buch, in der Linken den Bischofsstab. Das zweite Denkmal schildert die letzten Au­genblicke des frommen Bischofes Wittmann, wie er, auf einem Sarkophage liegend mit gefalteten Händen zu dem Gekreuzigten über ihm betend, verscheidet.

Bei mehreren seiner Arbeiten, besonders der kleineren religiösen Darstellungen in Alabaster wurde er von seinem Bruder Franz hilfreich unterstützt, der im Jahre 1836 an der Cholera in München starb.

In der letzten Zeit beschäftigte sich Konrad häufig mit der Ausführung von Zeich­nungen ernster religiös symbolischer Entwürfe, deren er manche auch früher schon in Oelbildern in eigenthümticher anmuthiger Weise vollendete.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


11-01-32 (Eberhard)