Die bildende Kunst in München (1842) / t_721

Friedrich Dürk ist im J. 1809 zu Leipzig geboren, erhielt vom Professor Schnorr den ersten eigentlichen Unterricht im Zeichnen an der dortigen Zeichnungsschule, wor­auf sich im Jahre 1824 sein Oheim, Stieler, in München erbot, seine fernere Ausbil­dung in der Kunst selbst zu leiten, weswegen sich Dürk nach München begab, bis zum Jahre 1829 hier die Akademie besuchte, aber seine eigentliche Kunstentwick­lung zumeist seinem Oheim verdankt, der ihn väterlich mit Rath und That unter­stützte.

Das erste größere Bild, welches er in jenem Jahre öffentlich ausstellte: »Abge­brannte vor einem Kreuze im Schnee betend« erhielt allgemeinen Beifall, nachdem er sich früher bloß mit der Darstellung von Bildnissen beschäftigt hatte. Darauf ver­wendete er einen Sommer zu landschaftlichen Studien im bayerischen Gebirge und in Tyrol, besuchte Wien und widmete sich dann in München mit neuem Eifer und Ernste der Bildnißmalerei. Das Bildniß eines Kurländers, mit kräftigem Pinsel und treuer Charakteristik ausgeführt, zeigte schon ganz den gediegenen Künstler und verschaffte ihm zahlreiche Aufträge. Im Jahre 1836 machte er eine Reise nach Itali­en, studirte mit besonderer Vorliebe die Werke Raphaels in Rom und Florenz, und bemühte sich, nach seiner Zurückkunft in, München, die gemachten Studien bei sei­nen neuen Arbeiten mit Umsicht anzuwenden.

Während er mehrere Bildnisse fürstlicher Personen ausführte, vollendete er andere höchst ansprechende Gemälde voll tiefen lyrischen Geistes und zarten sinnigen Ausdruckes: eine Frau, die schwermüthig den Kopf in die eine Hand stützt, wäh­rend sie mit der andern den Spinnrocken hält, daneben ihr Kind, das mit fröhlichem Sinne Seifenblasen steigen läßt (halbe Figuren in Lebensgröße); eine Italienerin, welche mit Beeren Vögel lockt; eine Bauernfamilie, welche während eines Gewit­ters Schutz unter einem Felsen sucht; eine Mutter, die ihr auf einem Ruhebette schlummerndes Kind umfangen hält und dabei ihr Antlitz voll inniger Andacht em­porrichtet; ein Kind mit einem Licht in der Hand bei einem Christbaume.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


14-01-32 (Dürck)