Die bildende Kunst in München (1842) / t_717

Johann Jakob Dorner, der Sohn eines Hofkammerrathes, geboren 1775 zu Mün­chen, widmete sich der Kunst erst im Jahre 1794, nachdem er die gelehrten Schu­len besucht hatte. Maximilian Joseph ließ ihn im Jahre 1802 zur Ausbildung nach der Schweiz und nach Paris reisen, nach seiner Rückkehr wurde er bei der Gallerie mit der Herstellung schadhafter Gemälde beauftragt und im Jahre 1808 zum In­spektor befördert. Seine landschaftlichen Darstellungen nahm er beinahe einzig, mit wenigen Ausnahmen, aus seinem bayerischen Vaterlande, und gab Wald- und Berggegendeu, wobei er besonders künstliche oder natürliche Wasserfälle aufsuch­te, und an Abhängen oder in Tiefen gelagerte Dörfer, See- und Flußansichten oder die von größeren Städten, wie München und Landshut, in treuer Abbildung mit ihrem baulichen Charakter darstellte. Sein größtes Gemälde ist der Walchensee. Seine Bilder sind außerordentlich zahlreich und überallhin verbreitet.

Im Jahre 1815 war er in Gefahr zu erblinden und mußte mehrere Jahre seiner Kunst entsagen, bis er glücklich vom Starr auf dem rechten Auge befreit und sein Gesicht so ganz wiederhergestellt war, daß er seitdem mit gewohnter Thätigkeit sich fort­während der landschaftlichen Darstellung widmet.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


21-13-31 (Dorner & Drechsel-Deuffstetten)