Die bildende Kunst in München (1842) / t_36

Vor Allen gelang es Max Emanuel Ainmüller, geboren im Jahre 1807 in München, die Haupthindernisse, welche die neue Kunst noch zu bekämpfen hatte, glücklich zu überwinden und ihm verdankt die Anstalt den größten Theil der schönsten ge­färbten Hütten- und Ueberfanggläser. Er widmete sich Anfangs der Architektur, Perspektive und dem Studium der Ornamente und trat veranlaßt durch Gärtner, als dieser die Umgestaltung und Förderung der k. Porzellanmanufaktur übernahm, als Verzierer (Dekorateur) in diese Anstalt und mehrere große Vasen und Gefäße wur­den von ihm auf das Angenehmste verziert. Später widmete er sich mit Eifer der Glasmalerei, erhielt, seitdem Heinrich Heß der einzige Vorstand der Anstalt ist, die übrigen Künstler darin überragend, die technische Leitung der Arbeiten und erfand und fertigte auch die Verzierungen zu den Fenstern, wobei ihm seine früher erlang­ten architektonischen Kenntnisse wesentlich dienten. Er führte auch mit Wehrstor­fer und Hämmerl zuerst mehrere Bilder auf Einer Glastafel glücklich aus und zeigte die Möglichkeit der Wiederherstellung der Cabinetsglasmalerei, die seitdem so au­ßerordentliche Fortschritte gemacht hat und worin er Treffliches geleistet. Eines seiner letzten Bilder dieser Art, ein Nachtstück, stellt den Vesuv dar, im vollen Flammenausbruche. Ueber dem zischend emporsprudelnden Feuermeere breiten sich die düsterschweren Rauchwolken aus, das Meer glänzt im hellen Wiederschei­ne, während weiterhin links gegen den Hintergrund sich die Nacht breitet, die nur durch den milden Schein des Vollmondes erhellt wird. Das Bild macht eine außeror­dentliche Wirkung durch die verschiedenen lebendigen Lichttöne und die sorgfäl­tigste Ausführung, welche auch die im tiefsten Schatten liegenden Theile noch nach ihrer verschiedenen Entfernung zu bezeichnen wußte. Zugleich übt er mit gro­ßem Kunstsinne die Oelmalerei, seine Bilder sind meist treffliche Abbilder großer Bauwerke, vorzüglich des Mittelalters und mit Recht wurden allgemein geschätzt: die Seitenansicht der Kathedrale in Rheims, die äussere und innere Ansicht des Münsters in Ulm, des Münsters in Freiburg, das Innere der Frauenkirche zu Mün­chen, die Ansicht der Lorenzkirche in Nürnberg, der St. Markuskirche in Venedig und andere, und sie schildern nicht bloß in treuer Auffassung den großartigen deutschen Baustyl des Mittelalters in seinen allgemeinen kühnen Umrissen, son­dern auch die bezeichnenden Einzelnheiten mit angenehmer Beleuchtung.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


NA-158 (Ainmiller & Flotow & Hertter & Neal & Schmidhuber)