Die bildende Kunst in München (1842) / t_19

Heinrich Adam,

geboren 1787 zu Nördlingen, sollte, gleich seinem Bruder Albert, das Konditorei­geschäft erlernen. Aber auch ihn führte ein innerer Drang zur Kunst, der er sich zu­erst in Augsburg widmete und vor Allem landschaftliche Darstellungen liebte, in deren Ausführung er zugleich auf die treue Nachbildung der mancherlei Baulichkei­ten sein Augenmerk richtete, weswegen seine landschaftlichen Bilder in der Folge immer mit architektonischen Gegenständen geschmückt erscheinen, die oft selbst als die Hauptsache hervortreten. Dazu trug Vieles bei, daß er nach seiner Ueber­siedlung nach München im Jahre 1808 an dem großen Werke Wiebekings thätigen Antheil nahm, und mehrere Brücken nach der Natur aufnahm.

Im Jahre 1811 reisete er mit seinem Bruder nach Italien, weilte längere Zeit am Co­mersee zum Studium der Natur, radirte aber auch für eine Kunsthandlung in Mai­land eine große Platte nach einem Gemälde seines Bruders, welches italiänisches Militär in mannichfaltigen Gruppen darstellte. Eine andere ähnliche Platte vollende­te er im folgenden Jahre nach seiner Rückkehr in München, wo er auch vier Ansich­ten des Comersees radirte, und auch mehrere Blätter russischer Trachten für das Werk des Grafen Eechberg ausführte. Noch einige Jahre hindurch widmete er sich vorzüglich diesem Kunstzweige, gab mehrere Jagdstücke seines Bruders, nahm darauf Theil an der Ausführung des malerischen Reisewerkes desselben, und be­gann endlich die Uebung in der Oelmalerei mit landschaftlich architektonischen Darstellungen, welcher er fortan treu blieb und höchst Gediegenes leistete.

Auf einer dritten Reise nach Italien im Jahre 1819 fertigte er mehrere Zeichnungen von der Umgegend des Comersees und andere interessante Skizzen, die er dann in Oelbildern ausführte; eine Ansicht jenes Sees vollendete er im Auftrage des Königs Maximilian; dann bereisete er beinahe ganz Bayern, um die Ansichten der vorzüg­lichsten Städte in farbigen Zeichnungen zu geben, worauf er beinahe einzig der landschaftlichen Darstellung in Oelbildern sich widmete, und in treuen schön aus­geführten Abbildungen von Städteansichten und einzelnen Baulichkeiten der frühe­ren und neueren Zeit seine Meisterschaft beurkundete. Vor allen sind bekannt: die Ansichten von Thoren und Plätzen Münchens, die sich um das größere Mittelbild reihen, im Auftrage des Königs Ludwig; die Ansicht der Stadt Eichstädt als Mittel­bild und umher mehrere einzelne Gebäude und Plätze aus der Stadt oder der Um­gegend für den Herzog von Leuchtenberg. Das Eigenthümliche der Darstellung dieses Künstlers besteht in der schönen innigen Verbindung der Natur mit den Werken der Menschen, die sich gegenseitig ergänzen und heben.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


27-01-25 (Adam)