Die bildende Kunst in München (1842) / t_1612

Lossow, aus Bremen geboren 1805, kam trefflich vorbereitet nach München, dann nach Rom, wo er sich während vier Jahren noch mehr ausbildete und nun seit dem Jahre 1833 bei Schwanthaler beschäftigt ist, und führte nach dessen Modellen meistens die Hauptfiguren für die Giebel der Walhalla und des Gebäudes für Kunstausstellungen in Marmor und auch andere Statuen aus. Er besitzt in der Bear­beitung dieses Materials eine ungemeine Tüchtigkeit, die durch seine Liebe zur An­tike und durch eine eigene im Geiste dieser gefertigten Entwürfe vorzüglich geför­dert wird.

Als schöpferischer Künstler zeigte er sich bereits durch manche schön und sorgfäl­tig ausgeführte Figuren und Büsten, unter welchen vor allem die Statue einer Ma­donna in weißem Marmor gefiel, die als wahre liebende Mutter aufgefaßt und höchst zart gehalten war. Sie hält das Kind auf dem rechten Arm, das sich liebend an sie schmiegt und mit seinen Händchen das Kinn der Mutter berührt; die linke Hand dieser unterstützt in schöner Biegung herüberlangend den rechten Arm; das Haar fällt in Wellenlocken über die Schultern auf den Rücken herab; das Haupt neigt sich, mit dem Antlitz voll Liebe und Anmuth, dem himmlischen Kinde zu.

Im Auftrage des Königs Ludwig fertigte er einige Büsten für die Ruhmeshalle und die Walhalla.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


09-05-51/52* (Lossow)