Die bildende Kunst in München (1842) / t_1240

Joseph Schlotthauer,

geboren am 14. März 1789 zu München, der Sohn eines k. Theaterdieners, lernte nach dem Willen seines Vaters das Schreinerhandwerk, übte sich aber aus innerem Drange während der Mußestunden im Zeichnen, besuchte die trefflich eingerichte­te Feiertagsschule, welche ihm nicht nur Gelegenheit gab, sich darin zu vervoll­kommnen, sondern auch andere Kenntnisse zu erwerben, in der Chemie und Phy­sik, welche er fleißig benützte. Schon wanderte er als Geselle in die Ferne, ward aber des Dranges, sich der Kunst zu widmen, nicht los, dieser vielmehr durch den Anblick der verschiedenen Gegenden und Kunstwerke noch mehr geweckt, so daß er nach seiner Rückkehr in das väterliche Haus sich unablässig mit Zeichnen be­schäftigte und zur weiteren Ausbildung die Akademie besuchte. Allein nach kurzer Zeit trat er, bei der damaligen kriegerischen Zeit, in das neu errichtete Corps der freiwilligen Jäger auf die Dauer des Krieges, in der Hoffnung, bald wieder zu sei­nen Studien zurückkehren zu können. Er diente im Feldzuge gegen Tyrol, und konnte nach der Auflösung des Schützencorps als Offizier in das stehende Heer eintreten; seine glühende Begeisterung für die Kunst aber führte ihn als Schüler in die Akademie zurück, in deren Streben und Lehrweise der Streit zwischen der alten oberflächlichen Auffassung und der neueren, tief in den Charakter dringenden Be­handlungsart sichtbar sich zeigte, daß Schlotthauer, nach reifer Bildung im Zeich­nen und schon ganz der neuen ernsten Auffaffungsweise sich zuwendend, sich in stiller Zurückgezogenheit selbst auszubilden beschloß.

Mit ausdauerndem Eifer machte er die mannichfaltigsten chemischen Versuche zur Gewinnung von Farben, die er endlich in ausgezeichneter Reinheit und Kraft her­stellen und in seinen Oelbildern anwenden lernte, daß die Wirkung seines Colorits angenehm und harmonisch erscheint. Still und tief in seinen Auffassungen führte er beinahe ausschließlich Gegenstände aus der heiligen Geschichte und frommer reli­giöser Anschauung in Oelbildern aus, die ganz von der Innigkeit seines Gemüthes und seinem Streben nach ausdrucksvoller Charakterschilderung in den einzelnen Gestalten, wie in den Gruppirungen, zeugen. Am meisten war er bemüht, den gött­lichen Gründer unserer Religion in den mannichfaltigsten Verhältnissen seines Le­bens darzustellen und die himmlische Milde, verbunden mit dem göttlichen Ernst und der ihm eigenthümlichen Würde im Handeln und Lehren, und selbst im Tode, darzustellen, was ihm auch durch tiefes Studium und anhaltende Uebung gelungen ist.

Aufgefordert zur Theilnahme an der Ausschmückung der Glyptothek mit Freskobil­dern, widmete er sich zehn Jahre lang dieser Kunst zur Vollendung jener herrlichen Gemälde, und trug durch seine chemischen Kenntnisse wesentlich dazu bei, die Malerei auf frischen Kalk zu fördern und eine angenehme kräftige Farbenbereitung zu erzielen, daß der allmählige Fortschritt dieser in Deutschland noch jungen Kunst an den immer frischer und harmonischer ausgeführten Bildern jenes Gebäudes sichtbar erscheint.

Im Jahre 1831 besuchte er Rom, aus der Quelle aller Kunstbildung selbst zu schöp­fen, und wurde nach seiner Rückkehr zum Professor an der k. Akademie ernannt, an welcher er jetzt mehr für die sorgfältige Bildung der Zöglinge, als an eigenen Schöpfungen arbeitet, zumal er auf ganz außergewöhnliche Art sich in der letzten Zeit zu einem berühmten Heilkünstler gebildet hat, und aus seiner orthopädischen Anstalt gingen bereits viele Geheilte hervor.

Dr. Johann Michael von Söltl: Die bildende Kunst in München. München, 1842.


38-01-16 (Schlotthauer)