Die Bayer’sche Landbötin (26.1.1833) / t_1956

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München. Der Leichnam des Frhn. v. Keßling wurde erst gegen Mittag von einer Frau, die Holz sammelte, an dem Stamm einer Eiche in halb sitzender Stellung mit festgeschlossener Uniform, den Säbel an der Seite, die Kappe zu den Füßen, gefunden. Der Mantel des Getödteten war über den Leichnam geworfen. Der entflohene Thäter, Rolla, ist der Sohn eines der reichsten Bojaren zu Jassy (in der Moldau), und privatsirte hier. Vorgestern Nachm. wurde Frhr. v. Keßling beerdigt. Allgemein war die Theilnahme, die an diesem Grabe sich aussprach, und als der hiesige protest. Dekan in einer christlich männlichen, eindringenden Rede sich an die Versammelten wandte, da stimmten wohl Alle in seinen Wunsch ein: »Möchte dies das letzte Opfer eines Vorurtheiles seyn, welches aus den Zeiten der Finsterniß sich bis in unser Zeitalter erhalten und schon namenlosen Kummer in vielen Familien verursacht hat!« – Herr Decan Boeckh wird in Vieler Namen hiermit ersucht, seine Rede dem Druck zu übergeben.

Die Bayer’sche Landbötin Nro. 12. München; Samstag, 26.1.1833.


↑ AA-23 (Kesling)