Diaskalia (18.4.1873) / t_1103

Arthur Müller †.

Durch das »Journal« haben unsere Leser bereits die Trauerkunde von dem Ableben unseres geschätzten Mitarbeiters Arthur Müller erfahren. Die Gerüchte, welche über die Art seines plötzlich im besten Mannesalter erfolgten Todes und über Um­stände, welche damit zusammenhängen sollen, umlaufen, sind, auch insoweit sie durch den Polizeibericht bestätigt scheinen, mit Vorsicht aufzunehmen. Ueber den Lebenslauf und die literarische Thätigkeit des Verstorbenen geben wir unseren Le­sern folgende Notizen:

Arthur Müller war geboren im Jahre 1829 zu Ramslau in Schlesien, bezog nach Voll­endung seiner Gymnasialstudien die Universität Breslau und begann daselbst auch seine Thätigkeit als Bühnen-Schriftsteller. Sein erstes Stück »Wie geht’s dem Kö­nig?« wurde zu Berlin am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater aufgeführt. Seit­dem hat er eine Reihe effectvoller Dramen und Volksstücke geschaffen. Durch alle seine Dichtungen geht ein eben so patriotischer als freiheitlicher Zug; er war ein echt deutscher Dichter, was sich schon dadurch bekundet, daß er alle Stoffe zu sei­nen Dramen der deutschen Geschichte entnommen hat. Hievon geben Zeugniß: »Die Kaiserglocke von Speier« und sein »Otto der Große, oder: Geächtet«, beide am Münchener Hoftheater mit großem Erfolge aufgeführt, dann sein »Gute Nacht, Hänschen«, das die Runde über alle deutschen Bühnen und in unserer Nachbar­stadt Mainz einen so unvergeßlichen Effect gemacht hat, und sein »Eine feste Burg ist unser Gott«. Zumal in den beiden letzteren Stücken ist der Autor dem orthodo­xen Katholicismus scharf zu Leibe gegangen. Die ultramontanen Blätter haben also die schönste Gelegenheit, wieder einmal auf den bekannten »Finger Gottes« hinzu­weisen.

Diaskalia. Belletristisches Beiblatt des Frankfurter Journals No. 107. Freitag, den 18. April 1873.


33-07-27 (Müller)