Deutsches Dichter-Lexikon (1876) / t_1703

Jacobi, Heinrich Friedrich, jüngerer Bruder des Vorigen [Johann Georg Jacobi], wurde am 25. Januar 1743 zu Düsseldorf geboren und mußte sich dem Wunsche seines Vaters gemäß, der ihn für minder begabt hielt als seinen Bruder, in Frankfurt a. M. für den Handelsstand vorbereiten. In Genf, wohin er 1759 ging, flößte ihm der Umgang mit wissenschaft­lich gebildeten Männern und das Studium und die Lektüre der französischen Spra­che lebhafte Neigung zu wissenschaftlicher Beschäf­tigung ein. Er trennte sich da­her nur ungern von Genf, um so mehr, als er das Ge­schäft seines Vaters überneh­men mußte (1763); doch verschaffte er auch hier sei­nem Drange nach Beschäfti­gung mit Literatur und Wissenschaft reiche Nahrung durch lebhaften brieflichen Verkehr mit Wieland, Goethe, Lavater, Sophie La Roche u. a. Als er durch Vermitte­lung des Grafen von Geltstein zum Mitgliede der Hof­kammer ernannt wurde, in welcher Stellung er sich vorzüglich mit dem Zollwesen zu beschäftigen hatte, gab er das Geschäft seines Vaters auf und lebte nun ganz seiner Familie, seinen Freun­den und seiner Liebe zu den Wissenschaften. Diesem Leben nach seiner Neigung konnte er in noch höherem Maße folgen, als er 1776 in­folge seiner Verheiratung mit der durch Geist und Schönheit ausgezeichneten Bet­ty Clermont in den Besitz eines bedeutenden Vermögens gelangte. Im Jahre 1779 erhielt er einen Ruf als Ge­heimrath im Ministerium für Zollangelegenheiten nach München; doch zog ihm sein Freimuth mancherlei Feinde und zuletzt die Ungnade des Kurfürsten zu, so daß er nach Düffeldorf zurückkehrte und in seine frühere Stellung wieder eintrat. Er lebte meist auf seinem in der Nähe gelegenen Landsitz Pempelfort und wurde hier von den bedeutendsten Männern und Frauen seiner Zeit aufgesucht. Auch machte er größere Reisen, 1780 durch Norddeutschland, 1784 nach England. Als durch die französischen Revolutionskriege die Rheingegen­den vielfach bedroht wurden, ver­ließ er 1798 seinen Landsitz und lebte abwech­selnd in Wandsbeck, Hamburg und Eutin. Durch eine verfehlte Spekulation seines Bruders um einen ansehnlichen Theil seines Vermögens gebracht, nahm er 1805 eine Professur an der neu zu errichten­den Akademie der Wissenschaften in Mün­chen an, deren Präsident er 1807 wurde. In dieser Stellung blieb er bis zum Jahre 1813, wo er mit voller Besoldung in den Ruhestand trat. Er starb in München am 10. März 1819.

D.: 1) Woldemar, eine Seltenheit aus der Naturgeschichte (Roman); II. Flensburg 1779. Königsb. 1794. Leipz 1825. 2) Eduard Allwills Briefsammlung (Roman). Bresl. 1781. Königsb. 1792. Leipz. 1826. 3) Werke, herausgeg. v. Köppen und Roth; VI. Leip. 1812 bis 1824. [Inhalt: I. s. o. 2) II. III. VI. Vermischte Abhandlungen. IV. J. G. Hamanns Briefwechsel mit F. H. Jacobi, herausgeg. von Fr. Roth. Ueber die Lehre des Spinoza, in Briefen an Herrn Moses Mendelssohn. [sep. Bresl. 1785]. V. s. o. 1)]. 4) Ausgewählte Werke; III. Ebd. 1854. 5) Aus F. H Jacobi’s Nachlaß. Ungedruckte Briefe von und an Jacobi und andere. Nebst ungedruckten Gedichten von Goethe und Lenz; heraugeg. v. Rud. Zöppritz; II. Dresd. 1869.

Franz Brümmer: Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten. Unter besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Erster Band. Eichstätt & Stuttgart, 1876.


12-02-27 (Jacobi)