Deutscher Bühnen-Almanach (1887) / t_552

Eduard Binder, ein Veteran der Schauspielkunst starb am 26. September 1886 zu München, woselbst er am 22. Dezember 1813 zur Welt gekommen war. Binder hat­te das Friseurgeschäft erlernt, war 1832 nach Frankfurt a. M. gelangt und wurde, nachdem er hier in Liebhabertheatern gespielt, 1833 von Director Budmann nach Offenbach mit 14 Thaler Monatsgage engagirt. Lange Zeit gehörte er dann wan­dernden Truppen an, und er fand erst Ruhe, als er in Baden bei Wien Engagement fand. Er spielte damals mit Größen wie La Roche, Anschütz und Davison, welche dort gastirten. Von Baden kam er nach Wien, wurde aber durch Krankheit des En­gagements verlustig. Nach einem Wirken an verschiedenen Orten wandte er sich nach München, konnte aber trotz gewichtiger Empfehlungen unter Dingelstedt kei­ne Stellung am Hoftheater finden. Max Schweiger würdigte diese schätzbare Kraft, und so trat Eduard Binder am 4. Mai 1852 in seiner Vaterstadt zum ersten Mal auf, nachdem er ihr zwanzig Jahre fern gewesen war. Im Jahre 1855 ging Binder zu Jo­hann Schweiger über. Später schied der Künstler wieder von München und wirkte in verschiedenen Städten Bayerns, bis er die Concession erlangt hatte, in Neuhofen ein Sommertheater zu gründen; allein das Project scheiterte, da auf Einspruch der beiden Schweiger der Bau eingestellt wurde. Binder ging dann nach Reichenhall und Würzburg, bis er im Juni 1873 ein hübsches Vorstadt-Theater im Elysium zu München eröffnete; allein auch hier blühte ihm kein Glück, denn Concurrenzen tha­ten dem an sich gut geleiteten Theater empfindlichsten Eintrag. Das Elysiumthea­ter hörte auf. Nach einigen bitteren Jahren entstand im Herbst 1878 das Binder-Theater in der Senefelderstraße. Auch hier gab es für dessen Gründer vieles zu kämpfen, und so ward er in den langen Jahrzehnten des Strebens und Kämpfens ein Greis, dessen redliches Wollen schönere Erfolge verdient hätte.

Deutscher Bühnen-Almanach. Berlin, 1887.


15-10-06* (Binder)