Deutsche Allgemeine Zeitung (12.1.1849) / t_178

Das Begräbniß des Ministerialraths Gabelsberger hat eine Art zelotischen Scandals auf dem Gottesacker veranlaßt. Gabelsberger war in ganz München und Hunder­ten seiner Schüler und Freunde auswärts bekannt als ein Mann der Liebe und des Friedens, als ein Muster an Sanftmuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit. Dem er­zeugt Gott in den Augen von Tausenden die Gnade, ihn abzurufen ohne Leiden und Kummer auf dem Krankenbett. Aber die Kirche läßt sich Rechte auf die Seeln so wenig nehmen wie ihre Stolgebühren. Darum ging die kurze Rede am offenen Grabe in Gegenwart von vielleicht Tausend Menschen dahin, ein solcher rascher Tod durch Schlagfluß sei ein Strafgericht des Herrn; also für die arme Seele zu be­ten! Vielleicht wäre der Priester an Ort und Stelle gemishandelt worden, wenn die Entrüstung dort Zeit gehabt hätte, sich nach außen zu entladen. Dafür ist sie wie ein Blitzstrahl über ganz München hingefahren und widerhallt in tausend Verwün­schungen über den unausrottbaren Fanatismus noch zur Stunde fort.

Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. 12. Freitag 12. Januar 1849.


07-10-54 (Gabelsberger)