Der Wanderer (23.10.1836) / t_1539

Kurier der Theater und Spectakel.

München.

Vincenz Santini ruht jetzt im Grabe! Ueber seinen Künstlerwerth gebührt uns kein Urtheil, hinsichtlich seiner Leistungen verweisen wir auf Lewald’s Theaterunterhal­tungen. Er starb im 38. Jahre nach zweimonatlichem Leiden, und hinterließ eine Frau, die Tochter des verstorbenen Komikers Muck, und eine neunjährige Tochter. Außer Lablache erreichte kein Sänger diese Stufe der Kunst und höheren Komik des Gesanges. Sein Leichenbegängniß fand am 12. d. M. Statt, während heftiger Regen vom Himmel herabgoß. Neben dem Sarg trugen schwarzgekleidete Mitglie­der des Schauspiels, der Oper und des Ballets brennende Wachsfackeln, und meh­rere Hofmusiker gingen neben demselben einher. Als Kläger waren sein inniger Freund Vecchi und Pellegrini zugegen. Dicht hinter ihnen schritt der Theater-Inten­dant Hofrath Küstner, Oekonomierath v. Spengel, die Sänger Staudacher und Mit­termaier, die Capellmeister Lachner, Aiblinger und Stunz, von welch Letzterem eine sehr schöne Grabes-Cantate vorgetragen wurde. Als der Sarg eingesenkt war, war­fen der Intendant Küstner und Hr. v. Spengel Lorbeerkränze in das Grab des gro­ßen italienischen Sängers, dessen Ruhm und Name nie vergessen werden wird. Wenn auch Santini seit Auflösung der italienischen Oper nicht mehr der hiesigen Oper, sondern der Pariser Bühne angehörte, so ward er doch bei seinem jedesmali­gen Auftreten hier (es war im September 1834 als Thaddeo in der »Italienerinn in Algier« zum letzten Male) stets mit Ehren und Beifall gekrönt, und gewann wäh­rend seines Aufenthalts die Liebe und Achtung Aller, welche ihn kennen lernten, als Mensch und als Künstler. (Corresp.)

Der Wanderer Nro. 297. Sonntag, den 23. Oktober 1836.


12-01-24* (Santini)