Der Grenzbote (14.1.1872) / t_142

* Ebergenyi – und Graf Chorinsky. In der Kreis-Irrenanstalt in Erlangen ist am Syl­vestertage der wegen Meuchelmordes durch Gift, begangen an seiner Frau Mathil­de Chorinsky, gebornen Rueff, zu zwanzigjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt ge­wesene Graf Gustav Chorinsky gestorben. Chorinsky befand sich seit drei Jahren im Irrenhause. Sein Zustand war ein in hohem Grade kläglicher. Seine Gehirnzerrüt­tung brachte ihm den Tod.

Gustav Chorinsky’s Leichnam ist am 2. Vormittags mit dem Postzuge der Elisabeth­bahn in Wien eingetroffen, um dem Vernehmen nach im Familiengrabe bestattet zu werden.

Dagegen befindet sich die wegen desselben Verbrechens zu achtzehn Jahren ver­urtheilte, in Neudorf ihre Strafe büßende Julie Ebergenyi sehr wohl. Sie hofft bal­digst begnadigt zu werden, wenigstens macht sie große Anstrengungen hiezu, denn sie schreibt nicht selten an verschiedene Advokaten Briefe, worin sie bittet, man möge ihr Gnadengesuche machen und für sie mannigfache Wege zum Zwecke ihrer Befreiung unternehmen. Freilich blieb bisher jeder Schritt erfolglos – und Julie Ebergenyi ist auch jetzt um die Hoffnung ärmer, jemals mit ihrem Gustav Zusam­menkommen zu können.

Der Grenzbote Nro. 12. Sonntag, den 14. Jänner 1872.


19-05-22* (Chorinsky)