Der Bayerische Volksfreund (15.6.1847) / t_85

München, 14. Juni. Dem Leichen-Begängniß des Clarinett-Virtuosen Heinrich Bär­mann wohnte gestern eine ungewöhnliche Anzahl Personen aus allen gebildeten Ständen bei und einstimmig äußerte sich der Schmerz über den Verlust dieses trefflichen Mannes. Das so unerwartet schnelle Dahinscheiden dieses Künstlers hat aber namentlich bei Freunden der Kunst tiefes allgemeines Bedauern erregt. Gebo­ren zu Potsdam 1781 betrat er schon als ellfjähriger Knabe in der dortigen Militär-Musikschule seine artistische Laufbahn. Später erhielt er durch Privat-Unterricht bei dem damals berühmten Clarinettisten Behr seine höhere Ausbildung. Er wurde dann bei dem ersten Bataillon der k. preuß. Leibgarde als erster Clarinettist mit der Verbindlichkeit, zugleich die Dienste der der k. Kapelle mit zu versehen, eingereiht, welche er auch zehn Jahre lang versah. Im Jahre 1806 verließ er sein Vaterland und begab sich nach Bayern, wo er in vollster Anerkennung seines schönen Talentes als erster Clarinettist augestellt wurde. Bei seiner bewunderungswürdigen mechani­schen Fertigkeit wußte er seinem schwer zu behandelnden Instrumente jenen zar­ten bezaubernden Ton abzugewinnen, aus welchem sein tiefes Gefühl, der Aus­druck seiner Seele an die Zuhörer sprach. Bescheiden, ohne alle Anmaßung im ge­sellschaftlichen Umgang, ferne von allem Künstlerstolz und Aufgeblasenheit, war er einer von jenen liebenswürdigen Charakteren, wie sie in gegenwärtiger Zeit täglich seltener werden.

Der Bayerische Volksfreund No. 94. München. Dienstag, 15. Juni 1847.


05-17-35* (Bärmann)