Der Bayerische Landbote (15.3.1858) / t_159

Nekrolog.

Am vergangenen Samstage, den 6. d., wurden die irdischen Ueberreste eines Man­nes zur Erde bestattet, dessen Tod nicht allein im Kreise seiner Familie, seiner Freunde, seiner Untergebenen die größte Bestürzung, die tiefste Trauer hervorrief, sondern dessen Verlust das allgemeinste Bedauern erregte. Es war der k. b. Käm­merer, Freiherr Carl von Dürniz, I. Direktor des k. Bezirksgerichtes München l. d. I. und Gutsbesitzer von Hirnhardt, welcher in der Blüthe seiner Manneskraft von dem Tode ereilt ward.

Carl von Dürniz war der Sohn eines k. Postmeisters zu Eichstädt und wurde da­selbst geboren am 23. April 1811. Nachdem er eine äußerst sorgfältige Erziehung erhalten, trat er in die k. Pagerie ein, ging dann an die hiesige Universität über, wo er sich der Rechtswiffenschaft widmete. Nach Vollendung der zum Staatsdienste erforderlichen Studien erhielt er im Jahre 1839 am 7. Mai seine erste Anstellung als Assessor am k. Kreis- und Stadtgerichte Straubing, an welchem er sechs Jahre, am 14. Mai 1845, darauf zum Rathe befördert ward. Im Jahre 1848 am 16. Mai erfolgte seine Beförderung zum Assessor am k. Appellationsgerichte von Oberbayern und wieder drei Jahre später, am 6. Juni 1851, ward er als geheimer Sekretär in das k. Staatsministerium der Justiz berufen. Am 28. Februar 1853 zum Rath am k. Appel­lationsgerichte von Niederbayern ernannt, wurde er als solcher noch vor dem Antritte dieses Postens am 16. April dess. Jahres an das k. Appellationsgericht von Oberbayern versetzt. Es ist bekannt, daß Hr. v. Dürniz, welcher seit mehreren Jah­ren als Schwurgerichtspräsident fungirte, als solcher auch den Schwurgerichtssit­zungen des letzten Quartals im vorigen Etatsjahre vorstand. Während dieser Zeit, am 5. Aug. 1857, ward er von Sr. Maj. dem Könige zum I. Direktor am k. Bezirksge­richte München l. d. I. ernannt. Dieses sind die Berufssphären, in welchen der Ver­ewigte während seines 19jährigen Staatsdienstes wirkte und zwar nach dem ein­stimmigen Zeugnisse seiner Vorgesetzten sowohl, wie aller ihm Nahestehenden, mit der größten Gewissenhaftigkeit, mit wahrer Berufstreue, ja mit Selbstaufopfe­rung. Mit seinen gründlichen, umfassenden und bewährten Kenntnissen waren so zu sagen die Tugenden seines Standes innig verbunden; er war ein strenger, ge­rechter und dabei doch humaner Richter, stets das Wohl der Parteien im Auge hal­tend, unermüdet eifrig und fleißig und doch fern von Egoismus, ohne Leidenschaft­lichkeit, ohne Heftigkeit.

Zu seinem Privatleben war v. Dürniz ein Mann von reinsten Sitten, und weil heiter, liebevoll, bescheiden, weil Jedermann mit Nachsicht beurtheilend, war er auch von Allen geliebt und geachtet. Seine Ehe, die er im Jahre 1850 am 20. April mit Fräu­lein Marie Helene Semer, Landrichterstocher von Laufen schloß, und aus welcher ihm drei Kinder ersproßen, war eine ungetrübt glückliche und wie er ein liebevoller Gatte, ein zärtlicher Vater war, seinen Eltern und seiner Großmutter mit rührender Pietät zugethan, so waren es auch ihm alle die Seinigen mit der innigsten Liebe, Achtung und Dankbarkeit.

Der Eifer, mit welchem er sich gleich nach Antritt seiner Stellung als I. Bezirksge­richtsdirektor seinem neuen Berufe hingegeben hatte, dessen Aufgabe bei dem umfangreichen Gerichte, sowie bei eben damals ins Leben tretenden Gerichtsorga­nisation eine eben so schwierige als anstrengende war, fand zwar, als die schwieri­ge Aufgabe von ihm in kürzester Zeit gelöst war, die vollste und ehrendste Aner­kennung der ihm vorgesetzten Stellen, wie der Gerichtsangehörigen, doch mochte die Anstrengung seine Kräfte leider zu sehr in Anspruch genommen haben. Als da­her zwei seiner Kinder am Gehirntyphus darniederlagen und noch die Vatersorgen sich zu seinen vielen Berufsgeschäften gesellten, erkrankte er endlich selbst, ein heftiges Nervenfieber warf ihn auf das Krankenlager, von dem er leider nicht wie­der aufstehen sollte. Aber der nun Verewigte hat dennoch das Ziel, das er sich ge­steckt, erreicht, denn es fragt sich nicht – sagte der hochwürdige Redner an seinem Grabe – wie lange der Mensch, sondern wie er gelebt, nicht wie lange er gearbei­tet, sondern wie er gearbeitet hat. – Sein Andenken wird ein gesegnetes seyn.

Der Bayerische Landbote No. 74. Montag, den 15. März 1858.


ML-214 (Dürniz)