Der Bayerische Landbote (11.10.1842) / t_1789

Notizen über Kunst.

Xaver Mayr.

(Geboren den 25. Sept. 1803, gestorben den 29. Sept. 1842)

Zweifelsohne wird und schon das mehr als zwanzigjährige eben so rege als erfolg­reiche Wirken Xaver Mayr’s an unserer Bühne entschuldigen, wenn wir auf seine wichtigeren Lebensmomente ausführlicher zurückkommen, als es die uns gezoge­nen engen Gränzen vielleicht zu gestatten scheinen; aber wir glauben uns sogar schmeicheln zu dürfen, daß wir viele unserer Leser uns verpflichten, wenn wir sie in solcher Weise noch einmal an einen Künstler erinnern, der sich im Leben einer so allgemeinen Achtung zu erfreuen hatte, und dessen für seine Familie und Freunde, für seine Geistes- und Körperkraft, und für seinen Beruf leider nur allzufrüh erfolg­ter Tod mit dem vollsten Recht so allseitig beklagt worden ist.

Xaver Mayr war bekanntlich geborener Münchner und lebte im vollsten Sinne des Wortes nur in und für München; denn nicht nur bemühte er sich nie ernsthaft um ein auswärtiges Engagement, sondern er verließ auch dir Stadt kaum ein einziges Mal länger als bloß ganz kurz vorübergehend. Vom Vater, dem königl. Polireiin­spektor X. Mayr, frühzeitig tüchtigen Lehrern übergeben, schien seine zukünftige Laufbahn eine wissenschaftliche seyn zu sollen. Aber schon sehr bald erwachte in ihm jener rege Sinn für die Kunst, der ihn nie wieder verlassen hat, der seines Le­bens Glück bildete, von dem er sich in den Stunden auch der herbsten Prüfung ge­tragen fühlte, und der ihn auch zu mancherlei Leistungen in seinem Beruf befähig­te, die er vermöge seiner Individualität wohl nicht suchen, aber in Folge seiner ei­genthümlichen Stellung auch nicht von sich weisen konnte. So schied er denn vom Gymnasium, nicht um sich den akademischen Studien zuzuwenden, sondern um Schauspieler zu werden. Wie ihn aber wirklich ein innerer Beruf, nicht etwa leichter Sinn oder eine bloß flüchtige Neigung dabei geleitet, dafür bürgt der Ernst, mit welchem er sich alsbald seiner künstlerischen Ausbildung widmete. An Vorbildern konnte es dem Jüngling in der Hauptstadt nicht fehlen. Lehrer im eigentlichen Sin­ne war ihm damals der königl. Hofschauspieler und Regisseur Karl Reinhard. Wohl mögen Privat- und Gesellschaftstheater in kleineren Städten nicht recht zu dulden seyn, ja sie stiften im Ganzen vielleicht selbst in den größten mehr Unheil als Heil; gleichwohl dürften in Bezug auf die Bühne unseres Frohsinns sich in Folge freundli­cher Erinnerungen an die Leistungen derselben gewiß Hunderte zu einer Milde­rung solchen Unheiles geneigt fühlen. Auch daß sie von jeher angehenden Künstlern Gelegenheit gab, sich zu versuchen und ihre Befähigung zu dem gewähl­ten, schwierigen Beruf zu bewähren, zählt zu ihren unbestrittenen Verdiensten. Xa­ver Mayr machte auf derselben schon am 21. Oktober 1819 seinen ersten theatrali­schen Versuch als Louis in dem Vogelschen Schauspiel »General Moreau,« und als Kaspar in dem Lustspiel »Die Uniform des Feldmarschalls Wellington« von Kotze­bue. Noch bei einer Menge von Vorstellungen war er im Frohsinn durch die beiden folgenden Jahre thätig, ja es ist nicht unmöglich, daß sich das eine und andere Mit­glied dieser geachteten Gesellschaft aus jener Zeit noch heute des ermunternden Beifalls erinnert, mit welchem der junge Mayr damals z. B. als Steffen im Dilg’schen Lustspiel »Der Korb,« als Jakob in dem Schauspiel »Die Versöhnung« von J. von Weissenthurn, als Wiese in dem Lustspiele von Steigentesch »Die Mißverständnis­se,« und in anderen ähnlichen Rollen debütirte. Dieser lenkte denn auch die Auf­merksamkeit Karls auf ihn, von welchem er im Mai 1822 an der Bühne des damals noch bestehenden Isarthor-Theaters einen größeren Wirkungskreis geöffnet er­hielt, jedoch nur für wenige Monate, denn schon während des Sommers 1822 spiel­te Mayr abwechselnd auf der Bühne des königlichen Hoftheaters an der Residenz, und unter dem 22. September wurde er als königl. Hofschauspieler bei dem Hof- und Nationaltheater wirklich engagirt.

(Forts folgt.)

Der Bayerische Landbote No. 284. München, den 11. Oktober 1842.


15-07-01 (Mayr)