Der Bayerische Eilbote (17.4.1844) / t_475

14. April. Gestern Nachmittags 5 Uhr fand die feierliche Beerdigung des kgl. geh. Raths und Leibarztes v. Wenzl statt. Der hochwürdige Herr Dompfarrer Schmid hielt eine gediegene, die vorzüglichsten Lebensmomente und die großen Verdiens­te des Dahingeschiedenen hervorhebende Grabrede. Der greise Vater des Verstor­benen, mit seinen ehrwürdigen Silberhaaren und seiner schlichten, ländlichen Klei­dung stach rührend ab von den reichen Uniformen der an der Spitze des Leichen­gefolges stehenden Staatsbeamten und Mitglieder des kgl. Hofstabes.

Wenzl war ein als Mensch wie als Arzt gleich ausgezeichneter Mann. Er wird allen denen, welche seiner theilnahmvollen Hilfe, seines verlässigen Rathes, seines freundlichen – Zutrauen, Trost, Beruhigung und Ehrfurcht einflößenden Umgangs sich erfreuten, unvergeßlich und – unersetzlich bleiben.

Sein Grab befindet sich an der östlichen Seite der Kirchhofmauer neben jenem sei­nes ehemaligen Freundes, des Obermedicinalrathes Simon v. Häberl. Es ist viel­leicht mehreren von Wenzl’s Verehrern nicht bekannt, daß er sich diese Begrabniß­stätte für sich und seine Familie absichtlich deßwegen wählte, um dereinst neben genanntem seinem Freunde ruhen zu können. Er hat diesen schönen Zug seines Herzens und seines innigen über den Tod hinausreichenden Freundschaftsgefühles durch die Inschrift verewigt, welche das großartige für seine (ursprünglich an einer andern Stelle begrabene und erst nach einigen Jahren hierher transferirte) Gemah­lin errichtete Grabdenkmal trägt, so lautend:

Annae uxori dilectissime, 19. Jul. 1834 aetat. 41 ann. defunctae et quinque infanti­bus ante mortius hoc pietatis ac desiderii monumentum
Dr. J. B. de Wenzl,
Ius medicus reg. Bav. Lud. I. cons. reg. int. ord. Cor.
Bav. eques etc. ponendum curavit.
Hunc et sibi tumulum vivus selegit, ut quibuscum amicitia, sanguine, arte ac digni­tate conjunctus vixit, iisdem defuncius quoque, post miram sortis ac terrarum com­mutationem, consociatus requiescat in resurrectionem vitae aeterne.

(Der geliebtesten Gattin Anna, gestorben am 19. Juli 1834 im 41. Jahre ihres Al­ters, und fünf im Tode vorausgegangenen Kindern, hat dieses Denkmal der Liebe und des Sehnsuchtsschmerzes setzen lassen
Dr. J. B. v. Wenzl,
Leibarzt Ludwigs I., Königs von Bayern, k. geheimer Rath, Ritter des Ordens der bayerischen Krone etc.
Er hat sich schon bei seinen Lebzeiten auch für sich diesen Grabhügel auserwählt, damit er zu denjenigen, mit welchen er durch die Bande der Freundschaft, des Blu­tes, des Berufes und der Würde im Leben vereinigt war, auch im Tode gesellt, nach den wundersamen Wechselfällen des Schicksals und irdischen Daseyns, ruhe bis zur Auferstehung des ewigen Lebens.)

Der Bayerische Eilbote No. 46. Mittwoch, den 17. April 1844.


ML-230/231* (Wenzl)