Der Bayerische Eilbote (16.4.1841) / t_486

Es hat sich jetzt wieder bewährt, was hier schon seit Jahres zum allgemeinen Glau­ben geworden, daß nemlich, so oft unsere Vorstadt Au irgend ein Fest, eine Dult oder sonst dergleichen Ausserordentliches begeht, dieselbe immer vom schönsten Wetter begünstigt wird. Mögen die vorhergehenden Tage, mag selbst der Vor­abend noch so sehr stürmisch und regnerisch gewesen seyn, gewiß wird der Mor­gen des festlichen Tages mit der heiterstes Miene der Sonne beglückt werden. So auch dieser Tage. Hat uns der Monat April in den letzten Tagen der Charwoche, selbst noch am Ostersonntage seine Launen in vollem Maße fühlen lassen; am Os­termontag hat Herr Zacherl seine Hallen und die Quellen des Salvatorbieres geöff­net, und seit dieser Stunde hat auch nicht die mindeste Wolke unsern Himmel ge­trübt, seit dem Ostermontage hat die liebe Sonne bei uns ihr Feiertagsgewand an­gelegt, und es scheint, so lange Zacherl-Oel noch fließt, wird auch bei ihr kein Werktag kommen, und sie wird diese Zeit über in ihrem besten Humor bleiben. Aber kaum können auch die ausserordentlich großen Räume des Zacherl-Bräuhau­ses alle die nach Sättigung lechzenden Pilger in sich fassen, alle Zimmer, der Keller sind überfüllt, selbst in den großen, freien Hofraum fand man am Montage keinen Platz mehr. Eine an diesem Tage dort stattgehabte sehr blutige Schlägerei bildet hier das allgemeine Tagsgespräch, und hat schon, wie es bei solchen Neuigkeiten immer geschieht, bedeutende Vergrößerung und Uebertreibung erlitten, denn, wie das Sprichwort sagt, erzählt der erste Mund den Tod einer Mücke, wird der zwan­zigste Mund schon einen Elephanten sterben lassen. Doch werden dadurch die Pa­tienten des Zacherl nicht abgeschreckt, sondern eben dieß Spectakel zieht immer eine noch größere Menge an. Wie lange das Ausschenken des Salvatorbiers heuer noch dauert, hört man nichts Gewisses.

Der Bayerische Eilbote No. 46. Freitag, den 16. April. München, 1841.


02-01-18 (Zacherl)