Das Wesen der modernen Landschaftsmalerei (1898) / t_760

Als interessante Erscheinung, ja als Glanzpunkt der Münchener Schule, darf Christi­an Etzdorf genannt werden, der seine Motive am liebsten im Walde, am Strande, in den Felsenthälern namentlich Skandinaviens sucht. Tiefer Ernst durchzieht seine Schöpfungen. Meist ist der Himmel trüb und regnerisch, die Stimmung ist ganz in Melancholie getaucht. Die Formen erhöhen noch durch Einfachheit und Emst den Ausdruck. Etzdorf malte oft landschaftliche Scenen in der Art der alten Holländer, ja er ahmte Everdingen und Ruisdael nach, aber ohne Aengstlichkeit und ohne Auf­opferung seiner frischen Naturempfindung.

Dr. phil. Franz Friedrich Leitschuh: Das Wesen der modernen Landschaftsmalerei. Strassburg, 1898.


28-12-20* (Etzdorf)