Das gelehrte Baiern (1804) / t_516

BAUMGARTNER (Anton), Policeydirektor in München, geboren daselbst am 4. Sept. 1761. Sein Vater Franz Joseph Baumgartner, eines Rechtsgelehrten Sohn aus München, war daselbst 1728 geboren, wurde königl. preussischer Soldat, machte einige Feldzüge des siebenjährigen Kriegs mit, verheurathete sich in Schlesien, gieng wieder nach Baiern zurück, kam unter die kurf. Leibgarde der Hatschier zu München, und starb daselbst am 8ten Nov. 1797 als Major der Kavallerie mit Hin­terlassung von 6 Kindern, wovon Anton Baumgartner der älteste Sohn ist.

Dieser studirte die ersten Klassen und die Philosophie am kurfürstl. Schulhause zu München, und gieng mit Ende Oktober 1780 nach Ingolstadt, wo er an der dasigen hohen Schule die Instituten und Reichsgeschichte unter Kandler, das Recht der Na­tur und das kanonische Recht unter Weishaupt, die Pandekten, den Reichsprocess, und das allgemeine Kriminalrecht nach Siardi, die Statistik nach Krenner, den bair. Kodex nebst dem bair. Staatsrecht nach Prugger, das teutsche öffentl. und Privat­recht nach Spengel, das Lehenrecht unter Senner, das Wechselrecht, die Policey- und Staatswirthschaft nach Moshammer, die Chemie unter Rousseau, gerichtliche Medicin unter Stöberl, Landwirthschaft unter Gabler, und die Baierische Geschichte unter Mederer hörte, in den Herbstferien beym Pfleggerichtsverweser Nissl zu Neustaft an der Donau, die Gerichtspraxis nahm, und im August 1783 den gradum licentiatus aus den Rechten erhielt.

Er nahm darauf in München die Praxis der Militärrechtsgelehrsamkeit beym kurf. Leibregiment, und wurde 1784 desselben Regiments wirkl. Auditor, im Jahr 1785 Rathsaccessist im kurf. Hofrathskollegium, 1789 Assessor cum voto decisivo, und am 1sten Febr. 1790 wirklicher Hofkriegs- und Justizrath. Im April 1791 wurde er zu dem im Jahre 1790 errichteten Münchner Armeninstitut als Rath gezogen, und setzte die damit verbundenen Geschäfte und Rechnungen bis Ende Sept. 1799 fort. Am 31. Jänner 1798 wurde er vom Kurfürsten dem Grafen von Rumford, bey der durch denselben neu errichteten Pilicey in München, nebst dem geheimen Se­kretär Babo und dem Oberlandesregierungsrath (nachmaligen geheimen Referen­där) von Stichaner, als Policeyoberkommissär beygegeben, und arbeitete als sol­cher mit dem noch bey Rumford angestellten Lypowsky (nachmals Generallandes­direktionsrath) und nach Rumfords Abreise unter dem Vicepräsidenten Freyherrn von Weichs bis Ende April 1799 fort. Unterm 1sten Mai des nämlichen J. bey Er­richtung der Generallandesdirektion wurde er von seiner kurfürstl. Durchlaucht Ma­ximilian IV. zum Policeydirektor der Stadt München ernannt, worauf er seine Raths­stelle im Hofkriegsrathe niederlegte, und seitem seinem mühseligen Amte mit ausserordentlicher Thätigkeit, und zur allgemeinen Zufriedenheit des Publikums vorsteht. Während seiner vorigen Dienstlaufbahn 1784-1799 wurden ihm viele wichtige Kommissionsgeschäfte, Abordnungen und Reisen, Truppenmärsche und Bauanlagen anvertraut.

Die von ihm erschienen Drukschriften sind:
Beschreibung der Stadt und des Gerichts zu Neustadt an der Donau, 8. München bey Strobl 1783.S. ADB. 63 B. II. 500.
Fanny, die den 14ten Jänner 1785 in München vom Frauenthurme stürzte. Ein Traumgesicht, 8. München bey Strobl, 2 Auflagen 1785.S. 1en. ALZ. 1785, V. S. 72. ADB. 71 B. II. S. 603. Münchner gel. Z. 1785. S. 47.
Kurzer, deutlicher und vollständiger Auszug aus der (Westenriederschen) Geschich­te von Baiern zum Unterrichte für die Kinder, 8. München bey Strobl 1786.
An meine lieben Mitbürger, als das hohe Wittelsbachische Haus im Monat August 1786 in der zweybrückischen und Birkenfeldischen Linie mit 2 Prinzen erfreut wur­de. Abgelesen in einem Zirkel guter Freunde. 8. Mit 1 Vign. München bey Strobl 1786, 31 S.
Ausserdem erschienen von ihm einige Gedichte und Aufsätze in periodischen Schriften. Zum Drucke liegen fertig: Vollständige Beschreibung und Geschichte des Armeninstituts zu München von seiner Entstehung bis Ende September 1799; und Darstellung der beym Einzuge seiner jetzt gloreichst regierenden kurf. Durchlaucht Maximilian Josephs in München veranstalteten Feyerlichektien.

S. Eigene Sammlungen. Privat-Nachrichten. Meusels gel. Teutschl. 5te A. B. I. S. 171.

Klement Alois Baader: Das gelehrte Baiern oder Lexikon aller Schriftsteller, welche im achtzehnten Jahrhunderte erzeugte oder ernährte. Nürnberg und Sulzbach, 1804.


09-01-17 (Baumgartner & Parrot)