Das Bayerland (1892) / t_79

Wir haben in letzter Nummer unseres vaterländischen Dichters Martin Greif und seiner Wittelsbachischen Dramen gedacht; heute sei das Andenken eines Mannes in Wort und Bild erweckt, der vor 100 Jahren großen Einfluß auf die literarische Entwickelung Bayerns übte und ein Werk hinterließ, welches vor wenigen Jahren durch die geistreiche und geschickte Bearbeitung von Dr. Wilhelm Buchholz zu neu­em Leben erweckt wurde, das Trauerspiel »Otto von Wittelsbach«.

v. Babo wurde geboren am 14. Januar 1756 zu Ehrenbreitstein als der Sohn eines ehemaligen bayerischen Hauptmanns.

Er studierte am Jesuitenkollegium zu Koblenz; über den näheren Gang seiner Stu­dien fehlen leider die Anhaltspunkte. Geradezu überraschend aber muß der Erfolg derselben gewesen sein, denn wir finden ihn 1775 – er zählte damals 19 Jahre – als Regierungs- und Hofkammerrat zu Mannheim erwähnt.

In diese Zeit fallen die Verhandlungen bezüglich der Gründung einer Nationalbüh­ne in Mannheim, deren Direktion Lessing und deren Verwaltung Babo übernehmen sollte. Die Verhandlungen mit Lessing zerschlugen sich. Babo bekam 1777 die Ver­waltung und Aufsicht der Mannheimer Hofbühne in einem Alter von 21 Jahren. 1778 folgte er dem Kurfürsten Karl Theodor nach München; dort blieb er anfäng­lich ohne Amt, bis ihm die um Bayern so hoch verdiente Herzogin Maria Anna, eine Fürstin von hohem hellen Geiste 1784 das Amt ihres geheimen Sekretärs übertrug, das er bis zu ihrem Tode 1790 bekleidete. 1789 wurde er auf Veranlassung des Gra­fen von Rumford, mit dem er in vertrautester Freundschaft lebte, zur Teilnahme an der Errichtung einer Militärakademie, bei welcher er bis 1799 Studiendirektor war, eines Armenversorgungshauses und der Anlage des Englischen Gartens aufgefor­dert. Er wurde am 8. September 1791 in den Adelsstand erhoben. Ferner wurde ihm neben dem Amte des Studiendirektors der kurfürstlichen Militärakademie auch (1792) das eines kurfürstl. geheimen Sekretärs, das eines Zensurrates (1797) und endlich das eines Oberpolizeikommissärs übertragen. Als der Theaterintendant Graf Seeau sein Amt niederlegte, ging die Intendanz an eine Kommission über, an deren Spitze Babo stand. Grandauer, der bekannte Geschichtschreiber des Mün­chener Hoftheaters sagt von seiner Amtsleitung: »Er trachtete, seine Pflicht mit dem vollen Ernst eines Ehrenmannes zu erfüllen«. Die Abneigung des Publikums gegen Schiller (siehe »Bayerland« 2. Band Seite 146) teilte Babo. Kotzebue war für ihn wie für das Publikum der Held des Tages.

1803 wurde Babo zum Intendanten ernannt, und es gelang seiner Energie, die Zer­rüttung zu heben.

Erwähnt sei, daß er bei der Besetzung Münchens 1809 durch die Österreicher die Kasse rettete und daß er diese zur Zeit der Not des Ärars durch verzinsliche Geld­aufnahmen auf seinen Privatkredit und unter Verpfändung seines vor der Stadt ge­legenen Grundeigentums in gutem Stand erhielt.

Er legte 1808 die Intendantur nieder und lebte in stiller, nur der Wohlthätigkeit ge­widmeter Zurückgezogenheit. Er starb am 5. Februar 1822.

Die Zahl der Bühnenwerke Babos betrug 13. Wir fassen nur die vaterländischen Schauspiele ins Auge, vor allem seinen »Otto von Wittelsbach«. Das Stück wurde am 23. November 1781 zum ersten Male in München aufgeführt. Nach einer zwei­ten Aufführung am 25. November verbot Karl Theodor weitere Darstellungen, so­wie überhaupt die aller vaterländischen Stücke, sogar die Drucklegung des »Otto« wurde untersagt. Erst 1801 wurde das Stück neuerdings hervorgeholt, es war in­zwischen über die meisten Bühnen Deutschlands gegangen, hatte in Hamburg den Theaterpreis erhalten und wurde im Jahre 1810 durch Benjamin Tompson ins Engli­sche übersetzt.

Babo ließ im Jahre 1818 einen »Tassilo« folgen, der nicht mehr in Druck gegeben wurde, und dessen Handschrift wie so manches Wertvolle dem großen Theater­brande von 1823 zum Opfer gefallen war.

H. Schneider in Würzburg, der sich Leben und Wirken Babos als besonderes Studi­um erkor, widmet ihm folgende treffliche Charakteristik:
»Wenn auch Babo nicht zu den dramatischen Dichtern ersten Ranges gehört, so wird sein Name doch fortdauernd mit Achtung genannt werden. Für uns ist er von um so größerem Wert und desto mehr in Ehren zu halten, weil hauptsächlich er be­wirkt, daß Bayern in der Geschichte des regeren Lebens und der Entwickelung der dramatischen Dichtkunst mit Ehren genannt wird, als welches in ihm dem gemein­samen Vaterlande und seiner Litteratur für jenes Fach einen geistreichen und in den Künsten der dramatischen Muse wohlerfahrenen Dichter gebildet hat.«

Heinrich Leher: Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskun­de. München, 1892.


24-01-04 (Babo & Deuringer)